Wieder gelesen Bücher, entstaubt

Die Ukraine am Schachbrett

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Es ist wahrscheinlich das Buch, das im aktuellen Konflikt um die Ukraine am stärksten rezipiert wird: "Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft", von Zbigniew Brzezinski. Besser bekannt ist das 1997 erschienene Werk unter seinem Originaltitel: "The Grand Chessboard". Brzezinski ist ein 1928 in Polen geborener US-Politologe, der seit Dekaden zu den wichtigsten Vordenkern der amerikanischen Außenpolitik zählt. Seit Lyndon B. Johnson hat er mehr oder weniger alle US-Präsidenten beraten, Obama nannte ihn "einen unserer bedeutendsten Denker".

Brzezinski ist kein Diplomat oder Politiker, sondern ein Berater und Geostratege, weshalb er seine Worte auch etwas direkter und expliziter wählen darf.

So schreibt er ganz offen über Dinge, die einem helfen, das aktuelle Geschehen in der Ukraine besser zu verstehen. Etwa, dass die USA den amerikanisch-ukrainischen Beziehungen seit 1994 höchste Priorität beimessen würden; die Ukraine sei der Schlüsselstaat, um Russlands imperiale Pläne zu vereiteln, denn ohne die Ukraine sei Russland kein eurasischer Staat mehr; die gesamte globale Vormachtstellung der USA hänge davon ab, wie man sich in Eurasien behaupte. Eurasien sei das Schachbrett, auf dem der Kampf um globale Vorherrschaft auch in Zukunft ausgetragen werde.

Brzezinskis Gedanken lesen sich scharf und angenehm nüchtern, der Mann hat Brillanz. Umso peinlicher, dass es in Österreich tatsächlich noch Publizisten gibt, die das US-Interesse an der Ukraine klein schreiben oder schlichtweg verleugnen.

Zbigniew Brzezinski: Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Fischer, 320 S., gebraucht ab € 199,-


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