Phettbergs Predigtdienst

Ich muss es, ich muss es, ich muss es

Kolumnen | Hermes Phettberg | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Die heutige Messe auf Ö Regional war von der Pfarre der Musik universität Wien, St. Ursula. Allein die beiden Stimmen haben mich total begeistert, seit neuestem begeistern mich junge Männerstimmen. Wer am 6. Dezember zu meiner Nikolo-Lesung in die Buchhandlung Löwenherz kam, konnte die jugendliche Stimme von Manuel Bräuer einheimsen.

Die erste Lesung in der Messe las ein ganz junger Mann, 1. Lesung, Jes 63, 16b-17, 19b; 64,3-7 "Lesung aus dem Buch Jesaja", und der zelebrierende Priester, ein Dominikaner (Pater Jörg Wegscheider), war eine ganz große Persönlichkeit und verwendete das erste Mal das Wort "Sexsymbol", jedenfalls für mich war es das erste Mal, dass ich hörte, wie ein Prediger das Wort "Sexsymbol" in den Mund nahm. Pater Wegscheider berichtete, dass ein französischer Talkmaster seine Gäste fragte: "Was würden Sie sich wünschen, wenn es Gott gäbe, was Gott zu Ihnen zur Begrüßung sagen sollte?" Und Brigitte Bardot antwortete: "Es wäre so schön, wenn Gott zu mir sagen würde 'Ich liebe dich'."

Dann erfuhr ich in "Ex Libris" auf Ö1, dass Donatien Alphonse François de Sade nun seinen 200. Todestag hatte. Jesus Christus und de Sade haben ein gemeinsames Ziel gehabt: wie wir doch Menschen groß machen könnten. Sie haben beide Verwegenheit als Werkzeug gehandhabt. Die Verwegenheit Jesu Christi war Gottvater, und die Verwegenheit von de Sade war der Heilige Geist. Wenn ich mich zum Beispiel versaut anziehe, warum mach ich das?? Ich muss es, ich muss es, ich muss es. De Sade war ein Kämpfer für die Menschenrechte und zeigte die möglichen menschlichen Scheußlichkeiten. Jesus war in Gott so kräftig geworden, dass er auferstehen konnte.

Manuel Millautz las in der Süddeutschen Zeitung, dass ein Verwandter von de Sade, Herr Thibault de Sade, eine Stiftung "Ja, ich will" gründen will, die de Sades Verwegenheit für die Ewigkeit parat halten wird. Jedenfalls, alles Gute, Genosse de Sade, zu deinem 200. Todestag.

Morgen kommt aus Graz Adrian Engel mit Engeln, um mich zu interviewen. Vorher geh ich zum Cosmetic-Institut C zur Fußpflege, und nachher geh ich dann ins Café Jelinek brunchen. Meine Verwegenheit halt ich mir immer geheim und parat sowieso.

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