Erstmals auch in Farbe: die Reihe "Cinema Restored" im Filmmuseum

Feuilleton | Vorschau: Michael Pekler | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

Dass Lee Marvin als arroganter Bösewicht in Budd Boettichers Rachewestern "Seven Men From Now" bis zu seinem bitteren Ende ein leuchtend grünes Halstuch trägt, wussten jahrzehntelang nur wenige Kinogänger. "Die Farben dieses Films haben Nuancen, die in ihrer Transparenz und Tönung an alte Stiche erinnern", schrieb der französische Filmkritiker André Bazin, der Boetticher alsbald in den Rang eines Auteur erhob. Diese ungewöhnliche Verwendung von Farbe in einem der ungewöhnlichsten Western des klassischen Hollywoodkinos konnte man lange Zeit nur schwer überprüfen. Sogar bei der 1995 Boetticher gewidmeten Retrospektive im Wiener Stadtkino lief der Film noch in einer Schwarzweißkopie.

Anhand der Rückgewinnung der originalen Farbe - in diesem Fall das bereits in den Credits strahlende Eastman Color - mag das Verdienst der Restaurierung von Filmkopien besonders augenfällig sein. Umso erkenntnisreicher ist deshalb der Umstand, dass der Großteil der Arbeiten, die im Rahmen der Filmschau "American Cinema Restored" zu sehen sind, Schwarzweißfilme aus der klassischen Ära Hollywoods von 1928 bis 1963 sind.

Mit so unterschiedlichen Filmen wie Frank Capras Screwball-Comedy "It Happened One Night", Lewis Milestones Kriegsdrama "All Quiet on the Western Front" und Sam Fullers Paranoiathriller "Shock Corridor" zollt das Filmmuseum der Film Foundation seines Ehrenpräsidenten Tribut.

Vor 25 Jahren gründete Martin Scorsese die Stiftung, die sich in Zusammenarbeit mit amerikanischen Archiven des filmischen US-Erbes annimmt und die entsprechenden Finanzmittel zur Verfügung stellt. Scorseses eigentliches Verdienst ist es jedoch, aufgrund seiner Reputation bei einer breiten Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Notwendigkeit geschaffen zu haben, Filme als Kulturgut zu betrachten und vor dem Zerfall oder und dem Vergessen zu bewahren. Womit sich Filmhistoriker die alte Frage nach Original und Kopie aufs Neue stellen können.

Bis 7.1. im Österreichischen Filmmuseum


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