Wasserpistolen gegen Klischees: die neue Otto-Mauer-Preisträgerin

Feuilleton | Würdigung: Nicole Scheyerer | aus FALTER 50/14 vom 10.12.2014

In Nilbar Güreş' Video "Undressing" ist der Oberkörper einer komplett verschleierten Frau zu sehen, die ein Kopftuch nach dem anderen abnimmt. Zu jeder Enthüllung spricht sie einen Namen, wie "Tante Besie" oder "Fatma", offensichtlich die Besitzerinnen der Schleier. Nur kurz wird am Ende das Gesicht der Künstlerin Güreş sichtbar, die immer wieder bunt gemusterte Stoffe über Frauenhaar hängt, seit sie 2006 diese Videoperformance gemacht hat.

Die 37-jährige Künstlerin, die in Istanbul und in Wien studierte, wurde nun mit dem Otto-Mauer-Preis ausgezeichnet. Internationale Aufmerksamkeit bescherte Güreş bereits die Einladung zur 6. Berlin Biennale 2010, wo ihr Fotozyklus "Çirçir" ausschließlich Frauen zeigte.

Die Künstlerin kehrte dafür in ein Haus ihrer Verwandtschaft an der Peripherie Istanbuls zurück, das einem Straßentunnel weichen muss. Traditionellerweise wäre der Familiensitz dem männlichen Erben zugefallen, der erzwungene Verkauf brachte aber eine Auszahlung an die


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