Fragen Sie Frau Andrea

Des Wedels Sprengelwirkung

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Kolumnen | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Liebe Frau Andrea, ausgehend von einem Gespräch über das Singen im Advent sind wir auf kirchliche Bräuche gekommen. Unter anderem auf das, ja wie heißt es eigentlich richtig, Besprengen von Dingen und Menschen mit Weihwasser. Bitte klären Sie uns auf! Wie nennt man das Gerät, mit dem der Pfarrer segnet?

Mit besten Adventgrüßen,

Karin Glander, Downtown Leopoldstadt, per Privateingabe

Liebe Karin,

das liturgische Gerät, von dem Sie sprechen, wird von katholischen Priestern, aber auch von Laien zum Besprengen mit Weihwasser verwendet. Im Einklang mit seiner Wirkungsweise hieß das Gerät ursprünglich Sprengel oder Sprengil. Umgangssprachlich zirkulieren die Ausdrücke Weihwassersprenger oder Weihwasserwedel. Relativ spät setzte sich hierzulande der lateinische Ausdruck des Sprengwedels durch: Aspergill, von Aspergillum, abgeleitet von aspergere, anspritzen oder bespritzen.

Der meist silberne oder zumindest versilberte Weihwasserapplikator besteht aus einer durchsiebten Hohlkugel an einem handlichen Griff. Die hohle Kugel an seinem Ende kann geöffnet werden, um einen kugelförmig zugeschnittenen Schwamm aufzunehmen, der das Weihwasser aufnimmt und beim Segnungsakt mit einer sachte peitschenden Bewegung als Sprengsel entlässt. Ältere Versionen tragen statt der Sprengelkugel pinselartige Wedelborsten aus Tierhaar. Zur Aufnahme geweihter Flüssigkeit wird das Aspergill in ein Kübelchen mit Weihwasser getaucht, das in der liturgischen Fachsprache Aspersorium genannt wird und den Kunstwissenschaftlern als Situla (Seidel) bekannt ist. Für den katholischen Außendienst auf Friedhöfen, in Krankenzimmern oder bei der Weihe von militärischem Gerät und Neubauten verwendet der Klerus gerne auch Taschengeräte.

Mit dem sprachlichen Wechsel von Sprengel zu Aspergill profanierte der Begriff für das Gerät und übertrug sich auf den Wirkungsbereich des Pfarrers, Diakons oder Bischofs. Sein segnender Wirkungsbereich heißt seither Sprengel. Wir ahnen es: Auch in so säkularen Bezeichnungen wie Wahlsprengel verbirgt sich die Bezeichnung für den Weihwasserwedel! Man darf annehmen, dass kirchennahen Parteien diese sprachliche Nähe so bewusst wie willkommen ist. Klingeling!


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