Kunst Kritik

Nur kleine Zettel vom verreisten Herrn Papa

Lexikon | NS | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Heute ist der Käfig von 18 bis 19 Uhr für Mädchen geöffnet". So steht es auf einem Zeitungsfoto eines Fußballkäfigs, das Verena Dengler in ihrer anspielungsreichen Schau bei Meyer Kainer auf einen Briefbogen des Hotel Kempinski geklebt hat. Der ironische Verweis auf die Benachteiligung von Künstlerinnen ist Teil der Ausstellung, in der Denglers Gesicht viele Male vorkommt. Die Kunstgeschichte kennt diese Zeichnungen mit den Briefköpfen von Nobelherbergen zuhauf und die Künstlerin nennt in ihrer auf Video gezeigten Performance Martin Kippenberger als Beispiel. Sie selbst benützt aber nur die kleinen Notizzettel für ihre Selbstporträtserie "Daddy went on a business trip and all I got was this lousy hotel stationary" und klebt sie auf größere Büttenblätter. Auch auf einem Poster und einem großen Transparent posiert die Künstlerin als Kunstfigur.

Wiewohl Dengler mit ihren so sorgfältig arrangierten wie trashig anmutenden Skulpturen aus gefundenen Stickbildern oder kaputten Möbeln schon eine unverkennbare Handschrift entwickelt hat, kreist ihre aktuelle Schau um Autorenschaft und Branding.

So hängt am Beginn die Arbeit "I love Banksy", ein besprayter Karton im Goldrahmen. Am Boden folgt der Schriftzug "Namedropping" und später integriert Dengler ein Parfum der Marke "Identity" in eine Assemblage. Mit ihren Selbstbildnissen und den Bezügen auf Popkultur wie im Stickbild "Sponsors" lässt die Künstlerin teilweise sogar an die Themen von Elke Krystufek denken, aber Dengler agiert viel distanzierter. So auch in der Performance, wo sie erst den fiesen Papa mimt, der immer auf Dienstreise ist und dann mit der Bassgitarre einen Song der französischen Sängerin Alizée covert. Das Lied, das sie ohne Protestgehabe singt, heißt "J'en ai marre", auf deutsch "Ich habe die Nase voll".

Galerie Meyer Kainer, bis 16.1.


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