Enthusiasmuskolumne

On the Nasenweg again

Diesmal: Der schönste Betonspaziergang der Welt der Woche

Feuilleton | Matthias Dusini | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Vom ersten bis zum letzten Meter ist auf diesem Weg alles vorbildlich. Der sogenannte Nasenweg vom Kahlenbergerdorf auf den Leopoldsberg beginnt mit einem konstruktivistischen Kleinod, bestehend aus Stufen, Handlauf und einer Säule für die Laterne.

Und so geht es weiter in Serpentinen den Hang hinauf, der eine außergewöhnliche Vegetation hat. Sogar der an Hitze gewohnte Diptam ist hier zu finden, im Frühjahr auch wilde Orchideen (etwa die Fliegen-Ragwurz). Was die Architekten Erich Franz Leischner und Alfred Fetzmann da als Ergänzung der Höhenstraße entworfen haben, ist ein Meisterwerk der Trassierung. Mühelos überwindet der Spaziergänger die Höhenmeter, denn nach steilen Passagen gibt es wieder erholsame ebene Stellen. Funktionale Details wie die Rinne für das Regenwasser und die Sitzbänke aus Beton sind mit viel Gefühl für Proportionen in die Landschaft eingearbeitet. Wer so zu Fuß gehen kann, verzichtet gern auf den Bus. Sogar, dass der Weg betoniert ist, nimmt man in Kauf: Der Belag ist für dieses moderne Gesamtkunstwerk wie geschaffen.

Höhepunkte des Aufstiegs sind die Aussichtsplattformen, die von den Architekten gewissermaßen als Belohnung in die Wegführung platziert wurden. Es heißt "Wien an der Donau", und nirgends sieht man die Stadt am Fluss so gut wie hier. Der einzige Wermutstropfen ist, dass dieser märchenhafte Pfad vom autoritären Ständestaat in Auftrag gegeben wurde. Die Austrofaschisten wollten mit dem Projekt Arbeitsplätze schaffen und die Gegend als Schauplatz der Türkenkriege aufwerten.

Das kann nicht der Grund sein, warum Wiens schönster Spaziergang dem Verfall preisgegeben wird. Eher die Nachlässigkeit eines Bezirksvorstehers, der nie zu Fuß geht.


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