Einschreiten, aber richtig

In Deutschland bezahlte eine junge Frau für ihre Zivilcourage mit dem Leben. Der Psychologe David Urschler kennt die tödlichen Gefahren des Helfens

Stadtleben | Gespräch: Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014


Illustration: P. M. Hoffmann

Illustration: P. M. Hoffmann

Hoover & Floyd, ein Münchner Café nahe der Isar. Hier wartet David Urschler auf seine „Rhabarberschorle“. Der Riese ist eine Erscheinung. Unter seinem linken Ärmel lugt ein großes Tattoo-Ensemble hervor. Es zeigt Batman und seine Widersacher, aber die ulkige Version aus den 1960er-Jahren. Helden und Bösewichte – damit befasst sich der Psychologe auch wissenschaftlich. Urschler forscht und lehrt an der Universität Regensburg zum Thema Zivilcourage. Wie man in gefährlichen Situationen richtig hilft, vermittelt er als Trainer in Zivilcouragekursen auch außerhalb der Universität.

Die Stadt München hat für ihn symbolische Bedeutung. Vor fünf Jahren schützte der 50-jährige Dominik Brunner Jugendliche vor Gewalttätern und legte sich mit den Angreifern an. Sie schlugen ihn tot. Brunner habe „einen Maßstab für Zivilcourage und Mut“ gesetzt, sagt Urschler. Seit November hat Deutschland eine neue Heldin der Hilfe: Tuğçe Albayrak. Kurz vor ihrem 23. Geburtstag setzte sich die deutsche Studentin in einem Fastfood-Lokal für Mädchen ein, die von Männern bedrängt wurden. Einer von ihnen tötete Albayrak. „Trotz des tragischen Ausgangs zeigt der Fall, dass Menschen dazu bereit sind, sich für andere zivilcouragiert einzusetzen“, sagt Urschler.


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