Am Apparat

Herr Molcho, servieren Sie jetzt Buchstabensuppe?

Telefonkolumne

Politik | Interview: Barbara Tóth | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Schon wieder eine EU-Verordnung, die Wirte verärgert. Ab sofort müssen 14 Allergene auch im Wirtshaus angeführt oder auf Nachfrage genannt werden. Ein Schweinsbraten mit Sauerkraut und Semmelknödeln kann in der Speisekarte dann mit den Kürzeln A, C, G, L, M und O gekennzeichnet sein. Das steht für glutenhaltiges Getreide (A), Eier (C), Milch (G), Sellerie (L), Senf (M) und Sulfite (O). Wir fragten Nuriel Molcho, Mitinhaber der Wiener Neni-Gastronomiegruppe, was davon zu halten ist.

Herr Nuriel Molcho, regen Sie die neuen Allergen-Kürzel auf?

Transparenz ist in jedem Beruf wichtig, in unserem ganz besonders. Ich habe mit dieser Verordnung überhaupt kein Problem und finde es gut, dass alle Konsumenten dadurch besser informiert werden, was im Essen, das sie bestellen, drinnen ist. Für Allergiker ist es natürlich erst recht eine Erleichterung, aber auch für Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren.

Protestieren Wirte vielleicht auch deswegen, weil sie nun zugeben müssen, wo sie überall Fertigmischungen mit Selleriepulver oder ähnliche Convenience-Produkte verwenden?

Ja schon, aber Convenience ist nicht automatisch schlecht. Es gibt sehr hochwertige Fertigprodukte. Für verpackte Lebensmittel, wie wir sie bei Neni auch herstellen, galt die Verordnung ohnehin schon. Für uns ist das also kein großer Aufwand mehr.

Sie sind oft in Israel und den USA, wie wird das dort gehandhabt?

Dort finden Sie ähnliche Hinweise ebenfalls, aber die vielen Garküchen und Marktstände in Israel haben sie natürlich nicht. In Österreich muss man es ja auch nur dazuschreiben, wenn es aus der Speisekarte nicht ersichtlich ist. Ein "Selleriepüree" muss ich nicht noch extra kennzeichnen.

Die Neni-Speisekarten sind also nicht länger geworden?

Sie sind nicht länger, sondern informativer geworden.


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