Mediaforschung

Auf der Straße des Kommerzes: Pflastersteine als Werbefläche

Verführungskolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Der Magistrat für Straßenbau und Straßenverwaltung war nicht erfreut. Die Mariahilfer Straße hatte sich in den vergangenen Wochen ohne sein Wissen in einen "Ad-Walk" verwandelt: Auf der längsten Einkaufsstraße Österreichs, deren Bild ohnehin bereits von Logos, Kaufbotschaften und bunten Einkaufssackerln dominiert wird, hatte jemand noch zum Überdruss seine Werbebotschaft auf die neu gesetzten Pflastersteine hinuntergesprayt: "AC/DC - Rock or bust" stand da in roten Lettern.

Die Marketingabteilung des Plattenlabels Sony steckte hinter der Gratisboulevardwerbung, wie das Gratisboulevardblatt Heute recherchierte. Sony bewarb damit das neu erschienene Album der Hardrock-Band AC/DC, die im nächsten Jahr auch durch Österreich tourt. Die Stadtverwaltung wurde von der Werbeguerillaaktion nicht informiert. Die Farbe sei ja ohnehin abwaschbar, rechtfertigte sich Sony in Heute.

Aber den Gehsteig besprayen und sich so eine Werbefläche im öffentlichen Raum schaffen, die den zu Boden blickenden Konsumenten zu Füßen liegt - darf man das überhaupt? Und wenn ja: Ist es gratis?

"Nein, es ist verboten", sagt Silvia Aigner, Sprecherin der MA 28. Welche Folgen muss Sony befürchten? "Die Stadt Wien wird von der Firma, die diese Botschaften aufgebracht hat, die Kosten für die Entfernung zurückfordern. Sie muss also die Reinigung bezahlen." Eine stark frequentierte Straße besprayen und anschließend bloß die Reinigung zahlen? Klingt nach einer recht billigen, neuen Werbeform.


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