"Die Frisur war immer schon so"

Der Kabarettist Florian Scheuba über "Bilanz mit Frisur", sein spätes Debüt als Solokünstler

Lexikon | Interview: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014


Foto: Christian Heredia

Foto: Christian Heredia

Als Florian Scheuba sein erstes Kabarettprogramm spielte, war er ein 16-jähriger Gymnasiast in Mödling – und Mitglied der Schülerkabarettgruppe Die Hektiker, die erfolgreich wie eine Boygroup wurde.

Heute, mit 49, zählt Scheuba zu den führenden politischen Satirikern des Landes. Er hat im Duo mit Thomas Maurer („Zwei echte Österreicher“) und Robert Palfrader („Männer fürs Grobe“) gespielt, er schreibt Kabarettstücke („Freundschaft“) und Standard-Kolumnen, bildet mit Maurer und Palfrader das Satire-Trio „Wir Staatskünstler“ und spielt zusammen mit Alfred Dorfer derzeit das Fußballprogramm „Ballverlust“.

Nur allein ist Scheuba in all den Jahren nie aufgetreten. Jetzt ist es so weit: Am 19. Dezember hat im Rabenhof sein erstes Soloprogramm „Bilanz mit Frisur“ Premiere.

Falter: Nach 33 Bühnenjahren spielen Sie erstmals solo. Warum?

Florian Scheuba: Das ist einfach passiert. Entstanden ist es aus den Lesungen mit meinem Kolumnen-Buch. Schon da habe ich zwischen den Texten viel erzählt, weil du die Leute da viel besser erreichst als beim Vorlesen. Und dann hab ich mir gedacht: Machen wir doch einmal eine Zwischenbilanz.

Die meisten Kabarettisten sind Solisten. Warum sind Sie bisher
nie auf die Idee gekommen?

Scheuba: Weil ich gern mit anderen zusammen arbeite. Das ist für mich eine der Qualitäten dieses Jobs: mit Menschen arbeiten zu können, die man auch privat mag. Ich fand das immer sehr lustvoll, daher hatte ich nie das Bedürfnis, allein zu spielen.

Hat es vielleicht damit zu tun, dass Sie in der Gruppe angefangen haben?

Scheuba: Tiefenpsychologisch ist es wahrscheinlich so ein Tick-Trick-und Track-Phänomen, ja – dass man sich als Bande erlebt: wir gegen den Rest der Welt. Die Wurzeln der Hektiker waren eine Band, da waren wir zwölf. Schon da hat sich gezeigt, dass das, was wir dazwischen reden, besser ankommt als die Songs.

Wie wurde aus dem Schülerkabarett ein Beruf?

Scheuba: Nach der Matura hab ich ein bissl studiert, Theaterwissenschaft und Publizistik, und bei der Presse in der Chronikredaktion gearbeitet. Aber dann ist das mit dem Kabarett so umfangreich geworden, dass ich mir irgendwann gesagt habe: Man muss ja eigentlich nichts daneben machen.

Die Hektiker waren erfolgreich
wie eine Popgruppe.

Scheuba: Wir haben zwei Mal hintereinander in der Kurhalle Oberlaa gespielt – ohne Videowall, völlig irre. Und 1991 waren wir als erster Kabarett-Act die Nummer 1 in der Hitparade! Von unserem Album „Endlich“ haben wir 75.000 Stück verkauft, der Falco-Produzent Robert Ponger hat’s produziert. So eine Karriere wäre heute nicht mehr möglich.

Die Hektiker waren nicht unbedingt für subtilen Humor bekannt. Wie
geht es Ihnen heute damit?

Scheuba: In den späteren Programmen gibt es viele schöne Sachen, mit denen ich mich heute noch identifizieren kann. Bei den früheren ist sicher einiges dabei, wo ich sage: Das ist nicht mehr meins. Aber ich war ja nicht eines Tages ein anderer Mensch, das hat sich entwickelt.

Das letzte Hektiker-Programm ist acht Jahre her. Die Gruppe hat sich offiziell aber nie aufgelöst, oder?

Scheuba: Es kann schon sein, dass sich da wieder was tut, zumal wir nächstes Jahr 200 Jahre Hektiker feiern: Wir vier werden alle 50. Vielleicht machen wir so eine Herrenrunde wie Monty Python damals in Aspen – nur hoffentlich ohne Urne.

Ist das Solo ein Best-of-Programm?

Scheuba: Es sind auch ein paar alte Hektiker-Nummern drinnen, die ich mit mir selber spiele, es ist aber kein „Best of“ in dem Sinn. Es sind auch neue Sachen dabei und ein paar private Geschichten, die ich im Lauf der Jahre erlebt habe. Es ist aber kein Nostalgieabend, ich möchte einfach bestimmte Themen ansprechen. Das Programm ist eine schwer definierbare Mischung.

Sie haben ja schon ein paar Voraufführungen gespielt. Wie ist es, so ganz allein auf der Bühne?

Scheuba: Es ist schon sehr ungewohnt. Und anstrengend.

Das Solo heißt „Bilanz mit Frisur“. Seit wann haben Sie diese Frisur?

Scheuba: Eigentlich immer schon. Sie steht auch deshalb im Titel, weil sie eine der wenigen Konstanten ist. Mit 16 waren die Haare ein bissl länger, aber das ist es auch schon. Es war halt auch nie eine Frau da, die gesagt hat: „Mach das weg!“

Sie selbst hatten nie das Bedürfnis, einmal was anderes zu probieren?

Scheuba: Einmal ist in einem Geschäft hinter mir ein älteres Ehepaar gestanden, und sie sagt zu ihm: „Schau, der Alfons Haider kauft das auch!“ Da bin ich kurz nachdenklich geworden.

Premiere: Rabenhof, Fr 20.00


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