Oma, was hast du im Krieg gemacht?

Nicht an allem sind die Männer schuld: Ewald Palmetshofers trostloses Frauenstück "Die Unverheiratete" im Akademietheater

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Der Krieg war praktisch schon vorbei, als am 26. April 1945 in Oberösterreich der 20-jährige Johann Schinnerl standrechtlich erschossen wurde. In einem Telefonat mit seinem Vater hatte der Wehrmachtssoldat angedeutet, bald "abhauen" zu wollen. Eine junge Frau hatte mitgehört und ihn denunziert. Nach dem Krieg wurde sie dafür zu zwölf Jahren Kerker verurteilt.

In seinem neuen Stück "Die Unverheiratete" greift der oberösterreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer den authentischen Fall auf. Nicht das Opfer und die Tat selbst stehen dabei im Fokus, sondern die Täterin und die verdrängte Schuld, die auf ihr und ihren Nachkommen lastet.

Drei Frauen, drei Generationen: "Die Alte", "die Mittlere" und "die Junge" heißen die Figuren. Die Alte ist 96 und nach einem Schwächeanfall gerade ins Spital eingeliefert worden. Die Tochter wäscht sich noch die Haare, bevor sie die Mutter in der Klinik besucht; sonderlich eilig hat sie es offenbar nicht. Und die Enkelin kompensiert die Gefühlskälte,


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