Ohren auf

Christmas-Songs mit und ohne Klischees

Weihnachtslieder

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Dreißig Jahre "Last Christmas"! Noch müssen wir der Verfilmung jenes Moments harren, als George Michael den ersten Weihnachtsklassiker der Gegenwart komponierte. Dafür ist heuer die neben Erlend Øyes wunderschön zarter Fassung beste Coverversion des Songs endlich im Verbund eines Weihnachtsalbums erschienen: "Weihnachten" von der deutschen Popband Erdmöbel.

Erdmöbel stehen für kluge wie warmherzige Lieder, die Unterhaltung bieten, ohne den Hörer zu unterfordern. Und sie mögen Weihnachten: In den letzten Jahren veröffentlichten Erdmöbel stets einen saisonalen Song. Diese finden sich nun auf "Geschenk" (Rough Trade) gesammelt und um einige neue Stücke ergänzt. Ergebnis: eine reine Freude und eine Platte für alle, die das Fest lieben, jedoch Klischeeweihnachtslieder verachten.

Der Rest der Festtagsmusik entstammt heuer großteils dem nur schwer erträglichen Genre der "geschmackvollen Weihnachtsmusik" zwischen glattem Jazz und gediegenem Gesang. Nils Landgren rückt "Last Christmas" auf "Christmas with Friends IV" (Act) mit der Posaune zu Leibe. Das wäre noch nicht schlimm. Schlimm wird es erst durch einen gesichtslosen Sänger, der nicht an die Emotion des Stücks glaubt.

Ähnlich geht es auf "Christmas in New York" (Decca) von Sopranstimme Renée Fleming zu, die zum Ausschmücken und Zersingen der üblichen US-Weihnachtsstandards neigt. Bassbariton Thomas Quasthoff ist da mit "Meine Weihnachten. Gedichte & Songs" (DG) insofern im Vorteil, als er es bei vier Christmas-Songs bewenden lässt und deutsche Gedichte von Brecht bis Ringelnatz in den Vordergrund rückt.

Für die Indiepop-Weihnachtsfeier haben die überschwänglichen Los Campesinos! mit der EP "A Los Campesinos! Christmas" (Caroline) das Richtige im Angebot. Vor allem das waidwunde "Lonely This Christmas" ist anrührend.


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