Kunst Kritik

Gespenster aus Filmstudios von gestern

Lexikon | NS | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Können verschwundene Gebäude und Räume als Geister weiterexistieren? Das ist nur eine der vielen Fragen, wie in der aktuellen Ausstellung von Constanze Ruhm auftauchen können. Die gemeinsam mit Emilien Awada gestaltete Schau "Panoramis Paramount Paranormal" hat - in aller Übersichtlichkeit - etwas Labyrinthisches an sich. Die vielen Wege (und wohl auch Sackgassen) ergeben sich aus dem überbordenden Referenzapparat, den ein auf Poster gedruckter Text zu Ausstellungsbeginn auspackt. Es ist aber ratsam, diese ausgelegten Fäden zunächst zu ignorieren und Ruhms rätselhafte Erzählungen einfach so auf sich wirken zu lassen.

Zwei Filme sind in der Ausstellung zu sehen: ein kurzer Trailer und eine 20-minütige Version eines größeren Filmessayprojekts, das gerade im Entstehen ist. Die Kamera führt zu einem Apartmenthaus, die Residence Le Panoramis, auf deren Gelände einst die Filmstudios De Saint-Maurice standen. Danach treten zwei Schauspielerinnen auf, die über Gespenster sprechen; die eindringlichen Monologe entpuppen sich als Castings. Auch ein Mann wird in der dunklen Studiosituation adressiert, er selbst bleibt aber stumm. Beim Vorsprechen für eine Rolle als Gespenst erkunden die Schauspielerinnen gleichzeitig die Grenzen zwischen Fiktionalität und Realität, den Status als Subjekt und als Objekt. Die Regisseure Marcel Carné und Jean-Luc Godard stehen Ruhm Pate für ihre Befragung von Film als Medium der Simulation und der (Pseudo-)Transzendenz.

Auf den ausgestellten Fotos werden Vögel, die auch kurz im Film vorkommen, zu den Hauptdarstellern. Sie stehen -laut Begleittext - den Geistern nahe, was nicht nur Hitchcock unheimlich einzusetzen wusste. Constanze Ruhms Diskursfilme und ihr Arsenal an historischen und theoretischen Bezügen kapern das Interesse aber weit mehr.

Kerstin Engholm Galerie, bis 20.12.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige