Kommentar Religion

Es wurde Zeit: Endlich begehren junge Musliminnen auf!

Falter & Meinung | Barbara Tóth | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Es ist erfreulich, dass es in der islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), der offiziellen Vertretung der österreichischen Muslime, ordentlich und endlich auch öffentlich gärt. Die Muslimische Jugend hat den Rücktritt des IGGiÖ-Präsidenten Fuat Sanaç gefordert. Sie wirft ihm autoritären Führungsstil und eine "Desinformationsstrategie" bei den Verhandlungen zum umstrittenen Islamgesetz vor.

Es ist sicher kein Zufall, dass ausgerechnet zwei junge Frauen den Aufstand wagen. Die Erfahrung aus anderen Religionsgemeinschaften - die im Schnitt sicher nicht weniger autoritär geführt werden als die IGGiÖ -zeigt, dass es oftmals Frauen an der Basis sind, die die ersten Proteste tragen. Sie kennen die Diskrepanz zwischen Predigt und Praxis am besten.

Die Machtfülle der islamischen Glaubensgemeinschaft ist einfach zu groß und ihr Umgang damit zu unreflektiert. Das hat sich nicht nur bei den eigenmächtigen Verhandlungen Sanaçs mit der Regierung beim Islamgesetz gezeigt, sondern auch bei anderen heiklen Fragen wie der Auswahl und Entsendung muslimischer Religionslehrer oder bei der Suche nach Antworten auf die Radikalisierung muslimischer Jugendlicher.

Sanaç tritt als oberster Muslimenvertreter auf, gleichzeitig sind aber nur geschätzte zehn Prozent aller österreichischen Muslime bei der IGGiÖ registriert und damit zur Wahl ihrer Organe berechtigt. Sanaçs Legitimation ist zumindest hinterfragenswert, der Stellenwert, den ihm die österreichische Integrationspolitik gibt, auch.

Wenn nun andere muslimische Akteurinnen ins Rampenlicht treten, öffnen sie endlich den zuvor verengten Blick auf die Vielfalt muslimischer Lebenswelten im Land -nach innen und nach außen.


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