Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | Hanna Wilhelmer | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Rückblick auf die Stunde null

Die politische Unzufriedenheit ist heute in Österreich so groß, dass sich die Einschätzung der Lage vielleicht nur mit einem Rückblick auf dunklere Tage erhellen lässt. Österreich lag 1945 in Trümmern. Mehr als 80.000 Wohnungen waren allein in Wien zerstört.

Doch durch das Ende der Nazi-Diktatur vor nun fast 70 Jahren keimten im befreiten Österreich auch bald Hoffnungen nach einem neuen Aufbruch auf, berichtet ein Zeitzeuge, der spätere ÖVP-Staatssekretär Karl Pisa, in seinem Buch: "1945 - Geburt der Zukunft". Seine Schilderung des Gründungsjahres der Zweiten Republik macht deutlich, wie groß der Wunsch nach einem Neuanfang war. So überrascht es heute wohl, dass Politiker der neugegründeten ÖVP vor der ersten Nationalratswahl im November den Bruch mit der Laissezfaire-Politik der Ersten Republik suchten und der "Arbeiterpartei in England" nacheifern wollten. Begierig nach einem Neuanfang waren besonders die Jungen: Bloß Wochen, nachdem die letzten Schüsse in Wien gefallen waren, räumten Studentinnen und Studenten die Trümmer aus den Hörsälen, um endlich wieder lernen zu dürfen.

Das Jahr 1945 sollte in Österreich und Europa die Stunde null einer neuen Ordnung werden. Vergleicht man dieses damalige Nichts mit dem heute Erreichten, kann man die Gegenwart durchaus schätzen, und gleichzeitig den Aufbruchsgeist der Stunde null vermissen.

Karl Pisa: 1945 - Geburt der Zukunft. Steinbauer, 208 S., gebraucht ab € 7,83


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