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Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Wer sagt, es gäbe keinen Rassismus gegen Weiße? Besuchen Sie einmal Japan! Dort wollte sich in der U-Bahn niemand neben Raphael Moser setzen, obwohl der Waggon rappelvoll war. Eine Oma, erzählt Raphael, habe ihm damals sogar verächtlich vor die Füße gespuckt.

Sie können aber auch gleich zu Hause bleiben, Fieslinge gibt's überall. Vor ein paar Jahren, erzählt Marion Großschädl, setzten sich Burschen ihr gegenüber und wollten mit ihr flirten. Sie lehnte ab, es begann ein Streit, am Ende schlugen die Jungs zu. Und die Leute ringsum taten ... nichts.

Zivilcourage ist nie peinlich. Aber man sollte wissen, wie man hilft (siehe S. 42). Reini Hackl hat damals am verlassenen Bahnhof wohl vieles richtig gemacht. Er habe bemerkt, wie ein Jugendlicher eine junge Fremde bedrängte, erzählt Reini. Er ging zu ihnen und stellte der Frau die Frage: "Sag mal, kennst du den überhaupt?!" Der Bursche ergriff die Flucht. Die Frau stieg unter Schock in den Zug. Sie habe sich nicht einmal bedankt, sagt Reini.

Was heißt das schon? Damals, vor einem halben Leben, kletterte ich testosterongesteuert in der Pause durchs Fenster aufs Schuldach. Meine Schulfreunde schlossen es hinter mir -e in Streich. Ich saß in der Falle, die Minuten verstrichen. Drinnen die lachende Klasse, draußen ich. Kurz bevor der Lehrer kam, kehrte Klassenneuling Hannes von der Pause zurück in die Klasse. Unter lautem Protest ging er zum Fenster und ließ mich rein.

Ich weiß nicht, ob ich ihm je dafür dankte. Aber ich hab's bis heute nicht vergessen.


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