Tiere

Ernennungen

Peter Iwaniewicz hält es mit Niels Bohr und findet Prognosen schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen

Falters Zoo | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014


Alle Jahre wieder werden bestimmte Tier- und Pflanzenarten zur „Jahresnatur“ ausgerufen. Und alle Jahre wieder schreibe ich über dieses mäandrierende Ritual, das auf einem Substrat bunter Organisationen wächst. Ein Bachelor in Biologie ist hilfreich, um die Zuständigkeiten der einzelnen Vereine verstehen zu können: Die Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa – von Freunden onomatopoetischer Akronyme auch kurz BLAM genannt – ernennt jährlich Flechten und Moose. An die nur mehr quantentheoretisch unterscheidbaren Kategorien Heilpflanze d. J. (Zwiebel) und Arzneipflanze d. J. (Johanniskraut) hat sich seit kurzem auch noch die Giftpflanze d. J. (Kartoffel) angeflanscht, und alle drei distanzieren sich von Chili und Paprika als Gemüse d. J.; in letzterem Fall erscheint mir aufgrund der Doppelnennung die Pluralform „Gemüsen“ durchaus angebracht.

Wildtier des Jahres 2015 ist jedenfalls der Feldhase. Diese Auszeichnung trug er auch schon 2001. Damals wollte man auf die Bedrohung durch fortschreitende Zerstörung seiner Lebensräume aufmerksam machen. Überraschenderweise hat eine Jahreswidmung alleine nicht geholfen. Originellerweise könnte man dem Feldhasen einfach einmal ausreichend Landschaft widmen, damit er nicht ganz verschwindet.

Wenn Widmungen gegen das Aussterben nicht helfen, dann hilft es vielleicht, bereits ausgestorbene Lebewesen zu bewidmen. Das dachte sich vermutlich die Deutsche Paläontologische Gesellschaft und schuf die neue Kategorie „Fossil des Jahres“. Das ist klug. Bei bereits toten Tieren erspart man sich den lästigen Teil nach einer Ernennung. Da sollten dann nämlich Maßnahmen beschlossen werden, um deren Population zu erhalten oder gar zu vergrößern. L-a-a-a-ngweilig! Das Widmen ist der spaßige Teil, Erhaltung ist für Buchhalter und Bandelkramer. Das fossile Jahr 2015 gehört jedenfalls Arthropleura armata, einem zweieinhalb Meter langen Tausendfüßer.

Auch Österreich wurde bei der Klimakonferenz in Peru für einen Tag zum Fossil ernannt. Das ist natürlich eine schöne Anerkennung und da kann man als Österreicher endlich wieder stolz auf sein Land sein, aber leider verdienen wir diese Auszeichnung nicht. Um als Fossil zu gelten, muss man vor spätestens 10.000 Jahren ausgestorben sein. Daran arbeiten wir aber noch!


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