Film Neu im Kino

Grausam ist cool: "Die Wolken von Sils Maria"

Lexikon | MO | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Es war ein großes Jahr für Filme, die von Stars und Schauspielerinnen erzählen. Zuerst kam das entrückte Ensemblestück "Life of Riley", der letzte Film von Alain Resnais. Dann folgte die grelle Hollywoodfarce "Maps to the Stars"; auch sie ein Schlusspunkt, wenn es dabei bleibt, dass David Cronenberg sich fortan lieber dem Schreiben und der Malerei zu widmen gedenkt. Und nun ziehen noch "Die Wolken von Sils Maria" über die Leinwände herein, das neue Werk von Olivier Assayas, eine Meditation über die Zeit und darüber, wie sie vergeht.

Natürlich ist es kein Zufall, dass sich Maria Enders (Juliette Binoche), eine nicht mehr ganz junge Schauspielerin, ins exklusive Sils Maria zurückzieht. Dort, in den Schweizer Alpen, scheint die Zeit stillzustehen, und wie zum Beweis zitiert Assayas zwei Szenen aus einem Bergfilm von vor bald 100 Jahren. Maria hingegen soll jetzt Helena spielen, die Mutter jener selbstbewusst jungen Frau, deren Darstellung sie einst ihre Popularität verdankte. Bedrängt durch den Regiestar Klaus (Lars Eidinger) und bestärkt durch ihre Assistentin Val (Kristen Stewart), willigt sie schließlich ein - mit dem Hintergedanken vielleicht, der 19-jährigen Hollywood-Skandalnudel Jo-Ann (Chloe Grace Moretz), die ihr nun in der Tochterrolle "nachfolgen" soll, zu zeigen, was schauspielen ist.

"Grausamkeit ist cool, leiden ist scheiße" heißt es einmal, aber natürlich ist der Kampf - gegen die Kontrahentin, gegen die Zeit - von vornherein verloren. Das verleiht dem Film mehr tragische Patina als die vielen Abblendungen, wie man sie sonst eher bei Resnais gewohnt war. Binoche stattet Maria mit nervöser Energie und einem kehligen Lacher aus, und Hanns Zischler als ihr eitler, ehemaliger Schauspielkollege steckt dem Film ein paar komödiantische Glanzlichter auf.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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