Nüchtern betrachtet

Schlapfenhalten wird immer noch unterschätzt

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Sabbatical. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Feuilleton, FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Wie Ihnen vermutlich nicht entgangen ist, war und ist in diesem Blatt in den letzten Wochen auffällig häufig von Geschenken die Rede. Das liegt daran, dass das Verschenken von Geschenken in unseren Breiten um die sogenannte "Weihnachtszeit" eine recht weitverbreitete alltagskulturelle Praxis (= Singular v. "Praktiken") darstellt. Genau genommen beschenkt man seine Lieben und jene, die zu solchen zu erklären man sozial verpflichtet sich fühlt, nicht "um" irgendeine Zeit, sondern exakt am Weihnachtsabend, der auch heuer wieder auf den 24. Dezember fällt. Dieser Umstand ist so bekannt, dass seine Erwähnung nur auf Asperger oder eine kleine sarkastische Aufgewecktheit des Umstandserwähnenden schließen lässt. Letzteres ist hier der Fall, und zwar weil dieses ganze Weihnachtsstressgeseiere nervt wie der simultane Einbruch von Müslimottenbefall, eingerissenen Fingernägeln und Faymannim-"Morgenjournal".

Freuds Auffassung, dass Kultur auf Triebverzicht aufbaue und "das große Gebiet der

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