Alles renkt sich wieder ein!

Der Cirque Noël hat ein Jahr pausiert und ist nun wieder zurück. Mit einer Bruchlandung

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Also zumindest Intendant Werner Schrempf, der auch das Straßentheaterfestival La Strada verantwortet, ist zufrieden: Es sei ein Wagnis gewesen, 2008 den Cirque Noël ins Leben zu rufen und mehrere Vorstellungen zum Jahresende anzusetzen. Aber die jährlich stattfindende Veranstaltung, für die wechselnde Compagnien mit zeitgenössischem Zirkus aufwarten, darf auf eine Auslastung zwischen 90 und 100 Prozent stolz sein. Also die fast jährlich stattfindende Veranstaltung: Voriges Jahr wurde pausiert, da die Förderungen der Stadt Graz ausgeblieben sind.

Subventionen seitens der Stadt gibt es auch heuer nicht, erst wieder kommendes Jahr. Da ist dann nämlich geplant, Grazer Musiker, Schauspieler sowie Bühnen-und Kostümbildner mit einem internationalen Ensemble unter der Leitung des Regisseurs Adrian Schvarzstein kurzzuschließen.

Förderungen hin, Förderungen her - der Cirque Noël findet heuer jedenfalls wieder statt. Beim Gustomachen auf die Qualitäten des Cirque nouveau waren die Veranstalter noch nie bescheiden, auch heuer werden wieder "herausragende Artistik und erstklassige Musiker" versprochen. Was die Artistik betrifft, da kann es einem bei einem Besuch schon einmal anders werden, wenn man befürchtet, dass sich die Akrobaten den Hals brechen. Bislang ist noch nichts passiert. Tragischerweise aber ist dem Regisseur der heurigen Vorstellung genau das andernorts zugestoßen. Olle Strandberg war nach einem Unfall im Jahr 2005 vom Hals abwärts gelähmt, seit 2011 allerdings ist er wieder völlig gesund. "Underart - Ode an eine Bruchlandung" ist eine Auseinandersetzung mit diesem Schicksal, damit, was "nach dem totalen Zusammenbruch der eigenen Welt passiert". Was Strandberg mit seiner schwedischen Compagnie Cirkus Cirkör vorhat, klingt vielversprechend: Es geht eben um den Crash und seine Folgen, um die verzweifelten Versuche, was übrig geblieben ist, wieder zusammenzusetzen. Und um die "überwältigende Erkenntnis des Scheiterns". Vom weihnachtlichen Kitschvorwurf darf der Cirque Noël wohl schon vor der Premiere freigesprochen werden.

Zu dem internationale Ensemble gehören Künstler aus Schweden, Deutschland, Finnland und Thailand. Etwa auch Alexander Dam, der im Vorjahr in Paris die Weltmeisterschaft im Street-Dance für sich entscheiden konnte. Dass atemberaubende Akrobatik wartet, wissen Sie ja nun bereits. Aber auch Livemusik, die eigens für das Stück komponiert wurde. Eines wird man allerdings erst vor Ort erfahren - nämlich was man sich unter "intensiven Kaffeepausen" vorzustellen hat.

Orpheum Graz, Sa 19.00 (Premiere)


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