Der Meister der stillen Zeichen: Peter Bartoš in der Secession

Feuilleton | Dokumentation: Matthias Dusini | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Die slowakischen Kolleginnen waren erstaunt, dass der Künstler Peter Bartoš, 76, nach Wien kam, um in der Secession eine Werkschau zu machen. Vergeblich hatten sich die Kuratoren in Bratislava um eine Retrospektive bemüht, denn der als Eigenbrötler geltende Bartoš ist der Meinung, dass Werke nur einmal aktuell sind und dann wieder im Universum der Zeichen verdunsten sollten; seine frühe Malerei verschenkte er im Rahmen einer Kunstaktion. Der Künstler entschied sich für die "Nicht-Dokumentation" seines Schaffens, ein Albtraum für Kunsthistorikerinnen.

Gemeinsam mit Stano Filko und Július Koller gehört Bartoš zu jenen Künstlern, die in den Sixties Teil der Neoavantgarde waren und sich nach dem Scheitern des Prager Frühlings in die innere Emigration zurückzogen. Sie lebten wie Einsiedler mit einem Draht zu höheren Wesen; ihr spirituelles Antiwerk ist noch immer zu wenig erschlossen.

Während der Vernissage malte Bartoš eine Chronologie seines Werdegangs an die Wand. Die Linien, Zahlen und Namen haben die Form einer fiktiven Landkarte, auf der Berge so wichtig sind wie historische Ereignisse. Radtouren und Wanderungen in das Tatra-Gebirge gehören ebenso zum Œuvre wie ein eigenhändig angelegter See im Tiergarten von Bratislava, wo Bartoš viele Jahre angestellt war.

Zu sehen sind lediglich Schwarzweißkopien der Projektkonzepte. Der Samisdat-Look ruft die repressive Stimmung in Erinnerung, in der Bartoš nach dem Einmarsch der Sowjettruppen arbeitete. Eine für ein Kunstfestival konzipierte "Soziosituation" hieß "60 Schläge des menschlichen Herzens":"In absoluter Stille lauschten wir unserem gemeinsamen Herzschlag", schreibt der Künstler in einer kurzen Autobiografie, einem kostbaren Dokument dieser ebenso radikalen wie poetischen Kunstbewegung. Und wie kam es zur Kunstform Spaziergang?" Beim Gehen kann man nicht belauscht werden." Es ist eine leise, bezaubernde Stimme, die in dieser Ausstellung ertönt.

Bis 25.1. in der Secession


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