Ins Mark

Was hätte Oscar gesagt?

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 51/14 vom 17.12.2014

Der Architekt Oscar Niemayer war, so die Zeit, "ein Baumeister der kämpferischen Utopie". Ohne ihn würde die einst für 600.000 Menschen errichtete Stadt Brasilia heute nicht stehen. Der große Visionär ist 2012 im Alter von 104 Jahren verstorben.

Zum Steirischen Bauernbundball kommen rund 16.000 Menschen, um sich einen Tag lang zu amüsieren. In Zusammenarbeit mit der FH Joanneum wurden nun neue Holzhütten entworfen, sie werden Anfang kommenden Jahres zum Einsatz kommen, danach fristen sie ihr Dasein als "Verkaufs- und Repräsentationshütten".

Holz ist ein wunderbarer Baustoff. Und die Gestaltung mobiler Einheiten eine Herausforderung, die nicht geringgeschätzt werden soll. Nur während man sich anderswo etwa den Kopf darüber zerbricht, wie würdevolles Wohnen bei zunehmenden Kosten noch zu gewährleisten ist, werden hier künftige Baukünstler mit der Verhüttelung einer parteipolitisch gebundenen Massengaudi beauftragt. Und Landesrat Hans Seitinger (ÖVP) sowie der Bauernbund, dessen Präsident Seitinger ist, verkaufen die Sache mit einer Verve, als wäre man gerade dabei, die Steiermark enkelfit zu machen. In einer Aussendung unter dem Titel "Neue Hütten braucht das Land" fallen Schlagworte wie "lokale Identität", "nachhaltiges Handeln" und "soziale Gerechtigkeit".

Würde Seitinger seinem Job als Wohnbaulandesrat mit ähnlicher Begeisterung nachgehen, wäre der steirische Wohnbau in Fachkreisen nicht so übel beleumundet wie derzeit. Das Land braucht abseits des Bauernbundballs tatsächlich neue Hütten, auch ein wenig kämpferischen Utopismus. Könnte man ihn noch fragen, würde Oscar das nicht anders sehen.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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