Mediaforschung

Die kleinen Menschen, die Seile und der fallende Riese

Verführungskolumne

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Der Dezember haucht seine letzten Tage aus, Menschen wispern ihre Wünsche ans neue Jahr. "Same procedure as every year", sagt die Dame zum übers Tigerfell stolpernden Butler. "Nichts ist so beständig wie der Wandel", sagt der griechische Philosoph Heraklit.

Der Wunsch nach Veränderung - aus diesem Material hat die Internetseite change.org ihre Existenz gebaut. Wer für etwas brennt, kann mithilfe einer Petition auf der Seite den politischen Druck erhöhen. Das gelingt mal besser, mal schlechter. Die Forderung "Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Tuğçe A." für die junge Deutsche, die umkam, als sie Zivilcourage zeigte, hat mittlerweile über eine Viertelmillion Unterstützer in Deutschland. Das Wiener Anliegen, einen Platz auf der Donauinsel nach dem Musiker Supermax zu benennen, hält bei knapp 600. Die change.org-Kampagne geht vom besten Fall aus und zeigt das Potenzial einer Petition: Viele Kleine aus dem Volk können einen Riesen zu Fall bringen. Das kraftvolle Sujet lässt einen an die Bilder aus dem Jahr 2003 erinnern, als Iraker die Statue ihres Diktators Saddam Hussein niederrangen.

Und es erinnert uns an das politische Jahr 2014. Als sich die Koalition gegen einen Untersuchungsausschuss zum Hypodebakel sträubte, unterschrieben immer mehr Menschen eine Petition für die Aufklärung. Am Ende waren es 141.591. Die Folge des Drucks von unten: eine U-Ausschuss-Reform. Eine Hypo-Untersuchungskommission. Ein Hypo-U-Ausschuss im Jahr 2015.


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