Seinesgleichen geschieht

Alles schläft. Alles? Anmerkungen zur Schlafwandlerzeit

Der Kommentar des Herausgebers

Falter & Meinung | VON ARMIN THURNHER | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Am Ende eines jeden Jahres wird einem anders. Manchmal kommt mir vor, als würde mir heuer doch ein wenig anders anders als sonst. Gibt es Bezeichnungen für diesen unbehaglichen Zustand? Schlafwandler ist vielleicht ein brauchbares Wort. Der Historiker Christopher Clark gebrauchte es, um den Zustand der europäischen Mächte am Vorabend des Ersten Weltkriegs zu charakterisieren.

Am Vorabend des zweiten Krieges fand Karl Kraus die Worte: "Kein Wort, das traf; man spricht nur aus dem Schlaf." Unser Schlaf befindet sich in der Phase des Rapid Eye Movement. Beschleunigung ist alles. Klarer sehen wir deswegen nicht. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs kontrastierten Sorglosigkeit, glänzender Fortschritt und Wohlstand mit einem Handeln der globalen Mächte, das scheinbar von individuellen Zufälligkeiten bestimmt wurde, von den Launen und Interessen von Monarchen und Wirtschaftsführern.

Ersetzen wir "Monarchen" durch "Autokraten und Diktatoren" und "Wirtschaftsführer" durch "globale Konzerne",


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