Pressekolumne

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Medien | BARBARA TÓTH | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Ich will mich nicht einmal in den Kopf des Krone-Lokal-Redakteurs hineinversetzen, der am 16. Dezember seinen Artikel mit den Worten betitelte: "Tobende Türkin in Lutherschule - Schock für Kinder - Frau ins Spital eingeliefert: Polizei-Einsatz bei Krippenspiel". Hier paart sich Fremdenfeindlichkeit mit Antiislamismus, perfider geht es nicht. Als Quelle für den Vorfall wird in der Krone nur die Mutter irgendeines Schulkindes angegeben.

Hätte der Redakteur ordentlich recherchiert, hätte er erfahren, dass nicht die Mutter, sondern die Großmutter eines Schulkindes kollabierte. Sie hatte ihren Sohn - den Vater des Kindes - kurz zuvor bei einem tragischen Berufsunfall verloren. Als sie die Klasse betrat, kollabierte eine Lehrerin - und genau das löste den Nervenzusammenbruch aus. All das hat die Schuldirektorin in einem Brief zusammengefasst, den auch das medienkritische Blog kobuk.at erhielt. Kobuk tat das, was der Krone-Kollege verabsäumte: ohne Vorurteile nachfragen.


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