Die Syrer im Schrebergarten

In Österreich streiten Politiker, wer Flüchtlinge aufnimmt. In Ottakring steht unser Schrebergartenhaus leer

Politik | PROTOKOLL: NINA HORACZEK | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Die Ankunft

Der Nachbar ist extra aufs Dach gekraxelt, damit man ihn gut hören kann. "Wir wollen hier keine Ausländer!", brüllt er vom Giebel seines Fertigteilhauses herüber. Dabei waren sie noch nicht einmal angekommen, die syrischen Flüchtlinge. Der Nachbar aber prophezeit: "Wir sammeln schon Unterschriften!"

Es ist nicht einfach, die "Ausländer" in den Schrebergarten zu kriegen. Aber nicht, weil das kleine Haus schäbig wäre. "Es ist besser als Traiskirchen", hat die Mitarbeiterin des Flüchtlingsdienstes der evangelischen Diakonie gesagt. Wien hat aber schon mehr Asylwerber aufgenommen als es muss, deshalb dürfen keine neuen kommen -selbst wenn sie einen Platz hätten. "Aber hätten Sie ein Problem mit anerkannten Flüchtlingen?", fragt die Frau von der Diakonie. Nein, haben wir nicht.

Kurz bevor sie ankommen, ist der Nachbar wieder vom Dach geklettert. Maral, die Mutter, 48 Jahre alt, ihr Sohn Sevag, 21 Jahre, und ihre Tochter Talin, 23 Jahre. Sie schauen ganz ernst, beinahe grimmig.


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