Fragen Sie Frau Andrea

Meine Wünsche an die Jahresendpersonen

Kolumnen | Andrea Maria Dusl | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Liebe Fragende!

Diese Kolumne ist die letzte des Jahres. Der Torkelplanet hat seinen Umkehrschwung am Ende der Ellipse bereits hinter sich. Seit dem 21. Dezember werden die Tage wieder länger. Das Licht kommt zurück! Die Dunkelheit weicht. Die Zirbeldrüse jubiliert und stellt sich auf das ferne, aber sichere Kommen des Frühlings ein. Durch die Innenstadt wälzen sich Vazierende aller Variationen. Verwirrte, Verirrte, Verliebte, Verlorene. Dazwischen Vorstädter und Verbrecher, Verkannte und Vermummte. Das Wetter ist valencianisch, die Preise venezianisch.

Am Ende des Jahres richtet sich Frau Andrea mit einer Liste von Wünschen an die Zuständigen. Im h.o. Salzamt haben sich zur traditionellen Entgegennahme des druckfrischen Desiderialpapiers die Adressaten desselben eingefunden. Die drei Herrschaften sind wohlbekannt und befinden sich in verschiedenen Graden der Auflösung: Kichernd und angeschickert die junge Dame im goldenen Engelskleid, blond die Locken, die Krone in ein Märchen von Haar gesteckt (das Christkind). In ihrem Schlepptau der dicke Alte mit dem weißen Bart, rot-weiß-rot das Wams, ho, ho, ho, hicks, sein tumber Ruf (der Weihnachtsmann). In höflichem Abstand, trotz Illumination die liebende Nähe enger Bekannter beachtend, der elegante Herr in englischem Tuch. Genagelt sind seine Budapester, penhaligongetränkt die Wangen, konfettibestäubt die Schultern. (Es ist der Cavaliere Corrado di Molinalibera, Kennern dieser Kolumne als die Jahresendperson bekannt.)

Liebes Christkind, lieber Weihnachtsmann, sehr geehrte Jahresendperson! Ich darf Ihnen die Wünsche des Jahres überreichen und ersuche um allerdringlichste Durchführung derselben. Meine Forderungen sind:

1. die Wiedereinführung der Zukunft,

2. die Wiederkehr der Visionen,

3. die Auferstehung der Sozialdemokratie (ohne Himmelfahrt),

4. die Umverteilung von oben nach unten,

5. die Trennung von Kirche und Staat,

6. die Trennung von Staat und Bosheit,

7. ein Musikgedudelverbot in Gaststätten und Geschäften,

8. das generelle und unverhandelbare Zigaretten-Rauchverbot,

9. die Einführung von 24-Stunden-Delis nach New Yorker Vorbild,

10. die Wiedereinführung von 13A-Doppelstockbussen.


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