Spielen, bis es sehr weh tut

"Ich seh Ich seh", ein respektabler Horrorfilm von Veronika Franz und Severin Fiala, spürt dem Grauen im Alltag nach

Feuilleton | BESICHTIGUNG: MICHAEL OMASTA | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Guten Abend, gut Nacht. Es beginnt mit einem Ende, den Schlussbildern eines Films. Die Trapp-Familie singt ein Schlaflied. Der gleichnamige Film von 1956 erzählt viel über das deutschsprachige Nachkriegskino. Regisseur Wolfgang Liebeneiner, der ein paar Jahre vorher den Euthanasiefilm "Ich klage an" gedreht hatte und von den Nazis dafür zum Professor ernannt wurde, setzte die Geschichte der nach dem "Anschluss" 1938 in die Vereinigten Staaten emigrierten Trapps als familiäre Heimatfilmidylle in Szene.

Damit ist hier Schluss, signalisiert dieser Anfang. "Ich seh Ich seh", das Spielfilmdebüt von Veronika Franz und Severin Fiala, ist eine Familiengeschichte ganz anderer Art. Schauplatz ist kein Schloss, sondern ein hypermodernes Einfamilienhaus mitten in der Pampa. Mami hat kein strahlendes Lächeln, sondern läuft mit dick bandagiertem Kopf durchs Haus. Und die beiden Kinder, Lukas und Elias, singen nicht, sondern sie tragen kriegerisch bemalte Holzmasken vorm Gesicht.

"Wenn irgendjemand


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