Die Grammatik des wohligen Schauers

Von Laokoon bis Holofernes: Eine grandiose Ausstellung der Gemäldegalerie zeigt: Horror und Grauen sind keine Erfindungen Hollywoods

Feuilleton | AUSSTELLUNGSRUNDGANG: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Sie fallen mit glühenden Spießen und spitzen Zähnen über die Sünder her. Eine Horde von grotesken Kreaturen peinigt in Hieronymus Boschs "Weltgerichtstriptychon" die nackte Menschheit, die gegen Gottes Gebote verstoßen hat. Das berühmteste Werk der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste war der Ausgangspunkt und steht jetzt am Ende der aktuellen Schau "Lust am Schrecken". Dass Grauen gern gesehen wird, war aber schon lange vor Boschs Horrorszenarien bekannt.

"Bereits antike Denker haben beschrieben, dass Schreckliches auch erfreuen kann", erläutert Claudia Koch, die die Ausstellung gemeinsam mit Museumsdirektorin Martina Fleischer kuratiert hat. "Aristoteles hat dieses paradoxe Phänomen am Beispiel der antiken Tragödie aufgeschlüsselt: Der Mensch, der eine schreckliche Szene sieht, freut sich, dass er nicht betroffen ist."

Die Beschäftigung mit der Frage, ob und welchen Einfluss die Kunst auf den Betrachter hat, steht im Zentrum der sogenannten Wirkungsästhetik. Die


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