Enthusiasmuskolumne Diesmal: Das beste Weihnachtsgebäck der Welt der Woche

Süchtig nach der Spitzbubenglasur

Feuilleton | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Der Wettbewerb ist beinhart. Welche der vielen Weihnachtsgebäcksorten findet Abnehmer und Abnehmerinnen , was bleibt in der Dose liegen? Die Zimtsterne, das Buttergebäck, die Vanillekipferln, die Schoko-Kokos-Busserl? Oder die Rumkokoskugerln, das Spritzgebäck? Eines ist sicher: Die Linzer Augen gehen immer weg. In anderen Weihnachtsweltgegenden auch Rumtörtchen oder Spitzbuben genannt, lassen diese Kekse die Konkurrenz blass aussehen.

Das fängt schon mit der Form an. Die zwei übereinandergestapelten Teigräder verraten auf den ersten Blick, dass es sich bei den Linzer Augen nicht bloß um einen Klumpen Teig handelt. In dem aus der oberen Scheibe gestochenen Loch (das "Auge") glänzt wahlweise die Ribiseloder die Marillenmarmelade, ein visueller Vorgeschmack auf das Gaumenvergnügen. Das Auge isst mit.

Die Zähne spalten den Doppeldecker, und die Zunge verrührt dann die Fruchtmasse mit dem bröseligen Zuckerbutteramalgam, das im Ofen einen bräunlichen Farbton bekommen hat. Die Herstellung dieser Köstlichkeit setzt handwerkliches Geschick voraus, denn der Teig lässt sich nur in kaltem Zustand verarbeiten. Sobald die Butter schmilzt, lassen sich die Plättchen nicht mehr von der Unterlage lösen. Es empfiehlt sich also, die Linzer Augen an einem kalten Wintertag im Freien herzustellen. Vielleicht heißen sie Spitzbuben, weil diese Barriere den Koch ärgert?

Das Wichtigste an den Linzer Augen ist aber die Glasur. Hier kommen Staubzucker, Rum und ein Spritzer Zitrone zusammen und geben dem Unterbau einen weiteren geschmacklichen Kick. Ein wohliges Gefühl macht sich im Gaumen breit, die Aura des Hochprozentigen. Vielleicht sind Kinder deswegen so süchtig nach den Linzer Augen, diese Spitzbuben.


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