Tiefer Blick ins Wasserglas: Wie Schnaps und Wein die Literaturgeschichte prägten

Früher musste der wahre Dichter einen Doppler intus haben. Inzwischen regiert auch im Literaturbetrieb die Nüchternheit

Feuilleton | ALKOMAT: SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

"Egal, wie dicht du bist - Goethe war dichter."(Unbekannter Dichter)

Schreiben ist eine sehr nüchterne Arbeit, die man am besten mit klarem Kopf ausübt. Umso erstaunlicher, dass Dichter und Denker, von denen wir sprachliche Meisterleistungen erwarten, seit jeher als große Trinker angesehen werden - und diesem Image historisch betrachtet häufig gerecht wurden.

Die Symposien der antiken Philosophen waren Saufgelage, die so manche Betriebsweihnachtsfeier in den Schatten stellten. Sokrates &Co glaubten daran, dass sich ausgerechnet im Rausch ein Zustand von Klarheit erreichen lässt. In der deutschen Literatur begründeten die Romantiker eine Ästhetik des Rauschs, die sich bis in die Pop-und Rave-Literatur der 90er-Jahre von Autoren wie Rainald Goetz heraufzieht.

Einen schlechten Einfluss hatte auch Goethe. Ist doch dokumentiert, dass er täglich zwei Liter Wein vernichtete. Am liebsten trank er zum Mittag-und zum Abendessen je einen Liter Rotwein. Seinem Werk hat es anscheinend zumindest


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