Sie sprechen mit der Zentrale

Das Kreativzentrum Alpenmilchzentrale hat jetzt endlich sein Lokal

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Wenn seit über 20 Jahren eine ehemalige Stadtmolkerei im dicht verbauten Gebiet von Künstlern, Architekten und anderen Kreativlingen besiedelt wird, dann bleibt das für die unmittelbare Umgebung nicht ohne Folgen. Sagt zumindest die Formel, die überall sonst auf der Welt ihre Gültigkeit hat. Auf der Wieden aber offenbar nicht so ganz, denn dass sich die Weyringergasse irgendwie gentrifiziert hätte, war zumindest bei oberflächlicher Betrachtung nicht festzustellen. Soll heißen: Irgendwelche coolen Cafés, Veggie- und Raw-Shops, Kaffeeröstereien, Craft-Beer-Brauereien und andere Indizien für dieses Phänomen gibt es hier einfach nicht.

Jedenfalls beschlossen die Alpenmilchzentrale-Besitzer vor geraumer Zeit, eben selber ein Lokal zu machen. Schon vor zwei Jahren wurde eine ehemalige Werkstatt mit einer gegossenen Betonbar ausgestattet, einige Kandidaten traten an, man wurde sich aber mit keinem davon einig, Zeit ging ins Land.

Mit David Prommegger klappte es dann schließlich. Der junge Mann kochte eine Zeitlang in den diversen Neni-Lokalen, vor allem aber im Zweitbester, bis er sich dann im vergangenen Jahr um sein Tourismusstudium kümmerte, Indien bereiste und Pop-ups machte.

Das Alpenmilchzentrale-Lokal mit dem etwas prosaischen Namen „Im Hof“ sei noch gar nicht fertig, meint Prommegger, aber immerhin hat es seit knapp zwei Wochen offen und gekocht wird auch schon. Einstweilen halt auf den vier Elektro-Platten in der Betonbar mitten im Lokal.

Das übrigens wirklich ziemlich lässig aussieht. Vor allem, weil man durch die Fensterfront in den Hof schauen kann, der schon noch immer sehr wie der Hof einer Molkerei aussieht. Indoors herrscht fast schon asketische Schlichtheit, alte Sessel aus einer Schule, eine Bank, mehr muss nicht. Prommegger kocht einstweilen vier Gerichte, die aber ständig wechseln, „mit Zutaten, mit denen wir zu Hause auch kochen würden, und mit Rezepten, die in spätestens zwei Stunden fertig gekocht sind“. Also etwa eine wirklich sehr gute Wurzelgemüse-Minestrone, von ein bisschen Chili angenehm angeheizt (€ 3,50), oder einen Nudelsalat, dem er mit etwas Dille, Fenchel, Frühlingszwiebel, Petersil, Kapern, Trockentomaten und Zucchini einen angenehm südlichen Frische-Touch verlieh. Ein etwas profunderes Olivenöl wäre super gewesen (€ 5,50). Der Risotto mit Roten Rüben war wirklich gut, schön sämig-cremig mit kernigem Biss (€ 5,90), die Specklinsen waren aus, was aber eh ein Glück war, weil es vom Krautfleisch vom Vortag – mit Speck und frischem Kraut gemacht – noch ein bisschen was gab, und das schmeckte wirklich außerordentlich großartig (€ 6,50).

Abends wird das Lokal zu Bar und Café, die Getränkesortimente sind noch im Entstehen, aber eine gewisse Zuversicht erscheint da jedenfalls durchaus angebracht.

Resümee:

Ein cooles, asketisch-karges Lokal im „Kreativ-Hub“ Alpenmilchzentrale. Einstweilen wird noch wenig gekocht, das aber gut.

Im Hof
4., Weyringerg. 36
Tel. 0699/17 10 35 71
ab 8.1. Mo–Mi 11–17, Do–Fr 11–22 Uhr


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