Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Montag, letzte Falter-Redaktionssitzung im Jahr 2014. "17 Jahr, blondes Haar - das war schon was", schwärmt Armin Thurnher, will seinen Blick in die Ferne schweifen lassen, kommt aber nur bis zur linken Wand, wo die Falter-Titelseiten 2014 hängen. Die Schlagzeile "Euren Hass könnt ihr behalten" von den Akademikerball-Ausschreitungen. Tex Rubinowitz zum Bachmannpreis. Das Cover vom unleiwanden Wiener Kaffee. Und unten eben das Bild von Udo Jürgens. Zum 80er hatten wir den Entertainer aufs Cover gehievt, als leise Würdigung war die Überschrift jeder größeren Geschichte im Heft ein Jürgens-Titel. Jetzt ist er tot und in die stille Weihnachtszeit mischt sich stille Trauer.

Das liegt auch an der Ingrid Brodnig. Sie wird den Falter im Februar Richtung Profil verlassen, die meisten Kollegen haben es aus dem Standard erfahren. Es hat die Redaktion in einen Schock versetzt. Wer schreibt jetzt die Digitalia-Kolumne? Wer bringt statt ihr die Expertise über Katzen ein? Und wer steht bei Firmenfesten künftig als Erste am Buffet? So wie bei der Weihnachtsfeier am Dienstag, wo sie bereits Hühnerkeulen mampfte, während andere noch die Mäntel ablegten.

Und schließlich die Geschichte mit der Kaffeemaschine. Die gab in der letzten Produktionswoche ihren Geist auf. Der baumlange IT-Mann Vedran Sormaz wusste sich nicht anders zu helfen, als einen A4-Zettel aufzuhängen: "how do you feel when there is no coffee? depresso."

Kein Jürgens, keine Brodnig, kein Kaffee. Was für ein trauriges Ende für 2014.


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