Kolumne Außenpolitik

Europa muss sich entscheiden: Kleinstaaterei oder Staatenbund

Falter & Meinung | RAIMUND LÖW | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Im Brüsseler Europaviertel spuckt der Flughafenbus jeden Tag hunderte Experten aus, die, ausgerüstet mit kleinen Rollkoffern, aus den 28 nationalen Hauptstädten zu irgendeiner Verhandlungsrunde der EU eilen. Es sind diese Rollkofferträger, die Europa zusammenhalten. Denn die EU hat keine Armee und keinen Geheimdienst. So wie einst die reitenden Boten im Reich Karls des Großen sorgen die reisenden Experten für die gemeinsame Meinungsbildung quer über den Kontinent.

Österreich ist durch den EU-Beitritt auf allen Ebenen Teil dieses Entscheidungsprozesses geworden. Für die Alpenrepublik, die sich gerne als singuläre Insel der Seligen gesehen hat, war das eine Revolution, die auch nach 20 Jahren noch nicht ganz verdaut ist: Mit seinen acht Millionen Einwohnern ist Österreich fester Teil eines global agierenden Machtblocks mit 506 Millionen Bürgern. Die Konsequenzen erlebt man als Europakorrespondent jede Woche: Es gibt häufig mehr EU-Ministerräte in Brüssel als Regierungssitzungen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige