Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Pop

Theo Parrish: American Intelligence

Der US-Houseproduzent hat Funk, R&B, Soul und Jazz mit dem großen Löffel gegessen. Als Resultat sind seine Beats und Bässe immer schön dreckig. "American Intelligence", mit zwei Stunden Spieldauer ziemlich ausufernd, bietet das Gegenteil von klinisch sauberem Deep House, wie schon die mächtige Bass Drum des Eröffnungsstücks "Drive" umissverständlich klar macht. Repetitive Rhythmen formen in Parrishs Musik ein straffes Korsett, aber es ist auch Platz für Free-Jazz-artige Ausritte. Groß. (Sound Signature) SF

Pop

Der Mann: Wir sind der Mann

Die Berliner Diskurs-Popper Die Türen haben eine Schwäche für die Musik der 1970er und ein Faible für konzeptuellen Schnickschnack. Zweiteres ist schuld daran, dass sie hier einer fiktiven Band namens "Der Mann" Leben einhauchen, Ersteres führt zu Deutschrock, Softpop, Boogie, Ballade, Folk oder auch mal funky Discoklängen, zu denen der Mann am Mikro dann so zärtlich wie eigenwillig dahinschimpft: "Was mich am Sex stört, ist das Hinterher, was mich am Wetter stört, sind die Prognosen!" Hat was. (Staatsakt) GS

Jazz

Uli Datler Trio: A Dancing Shape

Ein klassisches Klaviertrio, an dem die letzten 50 Jahre spurlos vorübergegangen sind. Uli Datler bringt zur Bestätigung zwei Fremdstücke aus den Swinging Sixties: "Eleanor Rigby" und "Seven Steps to Heaven". Lyrisches Gedudel ist der Modus Operandi, fromme Zurückhaltung trifft auf dösige Tempi. Die 70 Minuten Spielzeit hätten etwas mehr Varianten im Formentanz vertragen, eine Retro-Orientierung an gängigen LP-Längen wäre auch nicht verkehrt gewesen. (Cracked Anegg, ab 16.1.) DMK

Live: Porgy & Bess, 7.1., 20.30


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