Am Apparat

Stimmt der Krone-Artikel über die Türkin, Frau Aumayr?

Telefonkolumne

Politik | B. NARODOSLAWSKY | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Florian Hitz schrieb in der Kronen Zeitung (siehe Seite 24) über einen Polizeieinsatz in der Luther-Schule: "Von einer tobsüchtigen Türkin wurde das weihnachtliche Krippenspiel einer christlichen Schule in Wien-Währing überschattet." Christina Aumayr-Hajek war ebenfalls beim Krippenspiel. Sie hat alles ganz anders erlebt.

Was ist passiert?

Ich war in der Schule, weil eines meiner Kinder beim Krippenspiel mitgespielt hat. Vor der Vorstellung ist eine Lehrerin kollabiert. Wie mir erzählt wurde, kam in diesem Moment die Oma einer Schülerin in den Raum und erlitt einen Nervenzusammenbruch, sie begann im Stiegenhaus voller Schmerz zu schreien. Die Frau war nicht mehr zu beruhigen, aber sie war zu keiner Zeit eine Gefährdung für irgendjemanden.

Was brachte sie so aus der Fassung?

Sie hat offensichtlich eine posttraumatische Situation erlitten: Zwei Wochen vor dem Krippenspiel ist ihr Sohn bei einem Unfall ums Leben gekommen.

In der Krone stand, die "tobsüchtige Türkin" habe die Kinder verschreckt und habe wie am "Spieß geschrien". Sie habe den Kindern das Fest verdorben.

Das Krippenspiel hat ungestört stattgefunden, auf Grund des Vorfalls war der Schuleingang kurzfristig blockiert. Die Polizei hat sie routiniert aus der Schule begleitet.

In der Krone wurde betont, die Frau sei verschleiert gewesen.

Blödsinn, die Frau trug ein Kopftuch. Wenn man schon über die Religion schreibt, warum unterstreicht man nicht, dass eine muslimische Familie ihr Kind in eine christliche Privatschule schickt? Was mich stört ist: Wenn man den Artikel liest, glaubt man, eine böse, türkische Islamistin hätte absichtlich eine christliche Weihnachtsfeier gestört. Da verliert eine Frau ihren Sohn und wird dafür von der Krone niedergemacht. Es wäre angebracht, dass sich die Krone bei der Familie entschuldigt.


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