Silvester mit Party, Kino und Kabarett

Launige Ausgeh-Tipps für die Nacht der Nächte, von Innenstadttrubel bis Katerfrühstück

Lexikon | Nachtrundschau der Falter: Woche-Redaktion | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014


Foto: Reinhard Werner

Foto: Reinhard Werner

Jedes Jahr dasselbe Spiel: Kaum ist Weihnachten überstanden, geht es hurtig weiter mit dem Feiern, wenn auch weniger besinnlich. Selbst wenn er als No-Go-Area in der Nacht der Nächte gilt, ist der Silvesterpfad für ideenlose Nachtschwärmer sicherlich das beste Ziel.

Weil die Wiener Ringstraße im kommenden Jahr ihr 150-jähriges Jubiläum feiert, verwandelt sich der Universitätsring ab
17 Uhr in eine riesigen Openair-Tanzfläche. Mit professioneller Unterstützung kann man dort den Walzerschritt perfektionieren, um dann zu den bekanntesten Walzermelodien elegant über das Parkett zu schweben.

Das traditionelle Silvesterfeuerwerk sprüht seine Funken heuer vom Rathausplatz über die Innenstadt und am Stephansplatz wird man gemeinsam mit hunderttausenden Gästen aus dem In- und Ausland das Geläute der Pummerin wahrscheinlich auch dieses Jahr nicht hören.

Kino, Bälle, Partys

Es geht aber auch anders. Man könnte das Jahr zum Beispiel mal cineastisch ausklingen lassen, im Votivkino etwa. Dort stehen drei ganz unterschiedliche Filme am Programm: „Magic in the Moonlight“ von Woody Allen, die französische Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ und das Vampirklamaukstück
„5 Zimmer Küche Sarg“, alle Filme werden in Originalfassung mit Untertiteln gezeigt, und um Mitternacht gibt’s ein Glas Sekt zum Anstoßen.

Stilvoll und wesentlich pompöser begrüßt man den Jahreswechsel bei einem der vielen Galadiner, etwa unter der Kuppel des Kunsthistorischen
Museums,
oder gleich im großen Abendkleid und Smoking bei einem Ball. Da böte sich der imperiale „Grand Bal“ in der Hofburg an.

Glamourös, aber völlig anders feiert der Club Grotesque Fatal, der im Brut ein herzliches „Queer the Year!“ ausruft und ein „Feuerwerk der Burlesque“ ankündigt. Gemeinsam mit dem queeren Londoner Performancekollektiv Duckie steigt eine grell-schrill-schräg-bissige Silvestershow, für eine heiße Tanznacht sorgen danach DJs von FM queer & quote. Auch in der Ottakringer Brauerei lässt sich bei „Mama, ich komm nächstes Jahr“ prima das Tanzbein schwingen. Inklusive Feuerwerk.

Oder vielleicht doch ein ausgiebiges Party-Hopping vom Love Ball im Wuk zum Tingel Tangel Paradiso Carlo im Celeste, auf einen Sprung ins Le Meridien zur Silvester-Sause mit Rainer Trüby, dann weiter zum Werk, wo der Riesenradl Wahnsinn die Tanzfläche zum Kochen bringt, und zum Schluss noch ins Fluc zur großen Silvester Brause?

Theater

Ein Theaterbesuch ist zu Silvester nicht die schlechteste Idee. Die Vorstellungen am Jahresende haben ein besonderes Flair, und weil man hinterher meist gleich vor Ort feiern kann, erspart man sich auch die Suche nach einer geeigneten Location. Zwölf Aufführungen stehen zur Auswahl, darunter das räudige Räuber-Musical „Johnny Breitwieser“ von Thomas Arzt und Jherek Bischoff im Schauspielhaus oder die Backstage-Komödie „Moonlight & Magnolias“, die in der Scala ihre Vorpremiere erlebt.

Im Burgtheater steht Matthias Hartmanns klamaukige Shakespeare-Inszenierung „Was ihr wollt“ von 2010 auf dem Spielplan, in der Stars wie Nicholas Ofczarek, Michael Maertens oder Joachim Meyerhoff die Rampensau rauslassen. Nur auf den traditionellen Silvesterwitz des Intendanten wird das Publikum heuer verzichten müssen. Aus der Rubrik Geheimtipp: Im Alsergrunder Gasthaus Lechner findet wieder die traditionelle Silvesterlesung von Ernst Jandls Einakter „die humanisten“ statt.

Kabarett

Für die Kabarettisten der Stadt ist Silvester auch heuer ein Großkampftag. Das an diesem Abend besonders große Unterhaltungsbedürfnis will gestillt werden. In der Stadthalle
spielt Michael Niavarani zwei Mal sein neues Solo „Homo Idioticus“, im
Konzerthaus versehen Klaus Eckel, Viktor Gernot, Gernot Kulis und Andreas Vitásek Dienst. Im Theater Akzent ist Gerold Rudle ausnahmsweise solo im Einsatz, im Rabenhof steigt auch heuer die Silvester-Edition der Science Busters, und im Gartenbaukino laden Maschek wieder zu ihrem beliebten Jahresrückblick. Auch die meisten Kabarettbühnen haben zu Silvester natürlich geöffnet. Hervorzuheben sind hier der Stadtsaal, wo Eben-nicht-Rentner Lukas Resetarits zum letzten Mal „Un Ruhe Stand“ spielt, und das Orpheum, wo die steirischen Kernölamazonen mit einem „Best of“ auftreten. Für alle Silvesterkabarettvorstellungen gilt: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Konzert

In der Silvesternacht haben die DJs, die ganze Stadt fest im Griff. Die ganze Stadt? Nein, das heimische Indie-Label Totally Wired Records lädt zu einem Konzertreigen ins Rhiz. Unter dem Motto „Get Ready, Get Lost – A Totally Wired Chorus Line“ spielt Philipp Hanich mit seinem Soloprojekt Bruch wunderbar räudige wie beseelte Songs, während Sänger und Künstler Clemens Denk eher rustikale Herzlichkeit verbreitet. Ana
Threat, die auf Totally Wired zuletzt eine hübsche Doppel-Vinylsingle veröffentlichte, gibt zuckersüßen Gesang in Punkversion.

Und danach?

Nach der Silvesternacht wartet schon das traditionelle Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, heuer mit Zubin Mehta am Dirigentenpult. Das genießt man am besten bei der Live-Übertragung aus dem Musikverein in Kombination mit einem ordentlichen Katerfrühstück am Rathausplatz. Und abends geht’s zur Familie Lässig in den Stadtsaal. Prosit!


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