"Damage Control": die Havarie des Schrecklichen im letztlich Schönen

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Die großangelegte Schau "Damage Control. Art and Destruction Since 1950" lässt eines der letzten Unvermögen der Kunst offenkundig werden: Abbildend kann man dem Thema "Zerstörung" nur bedingt gerecht werden. Selbst ein Insektenstich verursacht mehr Terror als die Aufnahme einer ausgewachsenen Atomexplosion. Die teilweise aus der Sammlung des Hirshhorn Museum stammende Ausstellung bespielt beide Ebenen des Kunsthauses, wird in dessen Foyer um zwei heimische Positionen und im Bruseum um einen von Roman Grabner kuratierten, der Körperkunst gewidmeten Bereich ergänzt und zeigt in all ihren Teilen, worauf die Kunst stattdessen zurückgeworfen ist.

Egal, ob das klassische Vanitas-Stillleben in zeitgemäßer, weil animierter Form vorgetragen bzw. zur Explosion gebracht wird, Atompilze und Verkehrsunfälle in präzise komponierten Aufnahmen abgelichtet oder architekturhistorische Ikonen wie die Californischen Case Study Houses als verlassene Bruchbuden vor Augen geführt werden, die Kunst mag an dem, was man einmal "Erhabenheit" genannt hat, kratzen. Schlussendlich kommt sie aber nicht über ein Ästhetisieren des Schrecklichen hinaus. Da kann man gleich, wie Mona Hatoum, eine so bunte wie edle Sammlung geschliffener Handgranaten aus Kristallglas herstellen oder, wie Thomas Ruff, Digitalfotos von Zerstörungen so weit aufblasen, dass sie das Auge mit der Auflösung streng geschnittener Verpixelungen beschäftigen. Oder, wie Ai Weiwei, zur symbolischen Zerstörung einer Han-Dynastie-Urne schreiten. Zur Reflexion von Gewalt und den Folgen reicht das vollkommen aus.

Kunsthaus, Bruseum, Graz, bis 15.2.2015


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