Vor 30 Jahren: Hainburg im Falter. Der Falter in Hainburg

Politik | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Dieser Text erschien im Dezember 1984 unter dem Titel "Waldszenen" im Falter. Der Falter stand auf der Seite der Demonstranten, was der Text auch nicht verbirgt. Er hatte eine Vorgeschichte. Schon ein Jahr zuvor hatte der Umweltaktivist Günther Schobesberger Mischa Jäger und den Autor überredet, ihn auf eine Wanderung durch die Au zu begleiten.

Die Idee von Widerstand schien damals ebenso absurd wie die Idee, die riesigen alten Bäume umzulegen und das unberührte Gebiet zu fluten. Wir glaubten damals im Unterschied zu unserem Guide keine Sekunde, dass das Kraftwerksprojekt verhindert werden könnte.

Das Land Niederösterreich, der Verbundkonzern, die Industriellenvereinigung, die Gewerkschaft und die Regierung wollten es. Im Dezember 1984 ging es dann schnell. Von Promis, Studenten und der Kronen Zeitung, aber auch allerlei alternativen Kräften getragener Widerstand formierte sich, und es kam zu den beschriebenen Auseinandersetzungen in den Hainburger Auwäldern.

Die Situation war bürgerkriegsartig aufgeheizt. Bauern mit ihren Traktoren standen in langer Reihe auf dem linken Damm, um die Demonstranten zu schützen; auf der anderen Seite der Donau, in Hainburg, ballten sich Arbeiter zusammen, angeführt von höchsten ÖGB-Funktionären. Selbst der Präsident Anton Benya sprach. Er verstand nicht, warum um "ein paar Staudn" so ein Aufsehen gemacht werde.

Der sozialistische Bundeskanzler Fred Sinowatz und sein Innenminister Karl Blecha entschieden sich erst, die Exekutive dreinschlagen zu lassen, und pfiffen sie dann gleich wieder zurück.

Am Ende stand eine lange Nacht im Parlament, die der Autor im Vorzimmer der Verhandler verbrachte. Drinnen verhandelten Bundeskanzler und sieben Minster mit Delegierten der Besetzer. Im Nebenzimmer wartete der Direktor der Donaukraftwerke. Am Schluss gab die Regierung nach und rief eine Nachdenkpause aus, die ewig währte. Das Kraftwerk wurde nicht gebaut.


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