Mitten im Leben

Viel mehr als Unterhaltung: Wie ein Konzert von Udo Jürgens aus mir einen glücklichen Menschen machte

Feuilleton | NACHRUF: SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 52/14 vom 24.12.2014

Udo Jürgens war für mich lange Zeit nur "Ich war noch niemals in New York" und "Griechischer Wein". Die alten Hadern, die auf Partys gespielt wurden, wenn alle betrunken genug waren, um ihre coole Fassade abzulegen, und sich zu seinen großen Sehnsuchtsmelodien in den Armen lagen. Wie heißt doch eines seiner Lieder so schön: "Dann kann es sein, dass ein Mann auch einmal weint".

Das tat gut. Wenn am nächsten Tag jemand gefragt hätte, was da passiert sei, hätte man die von den Jürgens-Liedern erzeugte Euphorie und Gerührtheit wohl als ironische Geste abgetan. Schon auf diesen Partys im studentischen Alter hätte mir dämmern müssen, dass dieser Mann einer ist, dessen Musik in den Menschen etwas öffnet.

Seine Lieder transportieren Gefühle und erzählen Geschichten, für die die meisten keine Worte haben und selten Zeit bleibt. Als mir das klar wurde und ich damit im Grunde bereit war für das erhebende und reinigende Erlebnis eines Udo-Jürgens-Konzerts, dachte ich fälschlicherweise,


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