Sie ließen uns hängen

In Paris gingen leider nicht alle gegen den Terror auf die Straße. Die sonst so engagierten Jugendlichen aus den Cités fehlten

Politik | ESSAY: DANNY LEDER, PARIS | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

Am vergangenen Wochenende erlebte Frankreich zweierlei: die nachweislich größten Demonstrationen der Neuzeit (vielleicht mit Ausnahme der "Libération", also der Befreiungsfeiern nach Vertreibung der NS-Besatzer) und die Bestätigung, dass eine bedrohlicher Riss durch die Gesellschaft geht: Die muslimische Bevölkerung, vor allem die franko-arabische und franko-afrikanische Jugend aus den Sozialsiedlungen, blieb diesen überwältigenden Willenskundgebungen gegen den dschihadistischen Terror meistens fern.

Das heißt nicht, dass sich keine "Muslime" unter den Demonstranten befanden. Die islamischen Würdenträger hatten zur Teilnahme aufgerufen. Und zahllose Personen aus muslimischen Familien waren von Anfang an bei den Trauer-und Protestkundgebungen besonders aktiv. Aber die meisten davon, soweit ich das aufgrund der Erfahrungen in meiner Nachbarschaft beurteilen kann, waren Muslime von der Art, wie ich Jude bin. Also in die Jahre gekommene Atheisten mit mehr oder weniger starkem Linksdrall.


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