Der Ingenieur des guten Lebens

Harry Glück ist einer der umstrittensten Architekten Österreichs. Zum 90er erscheint ein Buch über den genialen Erbauer von Alt-Erlaa

WÜRDIGUNG: MAIK NOVOTNY | Feuilleton | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

Ein luxuriöser Riesenwohnblock mit 40 Stockwerken, weit draußen am Stadtrand, mit Swimmingpool und Supermarkt, der nach und nach zur Hölle wird, als sich seine Bewohner von der Außenwelt abschotten und in archaische Stammesrituale zurückfallen: Diese Szenerie beschrieb der britische Autor J.G. Ballard in seinem 1975 erschienenen dystopisch-ironischen Roman "High Rise", zu einer Zeit also, als die Ära der Megawohnblocks weltweit gerade ihren Zenit überschritten hatte. Die einst zukunftsfrohe Moderne galt nun als stadtzerstörend und inhuman.

Als Ballards Roman erschien, war der größte Wiener Superwohnblock gerade erst im Entstehen. Der Blutrituale war der Wohnpark Alt-Erlaa zwar unverdächtig, aber der Vorwurf des "unmenschlichen Maßstabs" in der "Betonburg" ist auch heute, 30 Jahre nach Fertigstellung des letzten Bauteils, noch nicht ganz verschwunden.

Und das, obwohl alle Umfragen unter den Bewohnern das Gegenteil besagen: Die soziale Mischung funktioniert, die rund 9000 Bewohner

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