Ohren auf Aus lokalem Anbau

Austro-Indiepop, der die Welt erobern möchte

Feuilleton | GERHARD STÖGER | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

Seit den frühen 1980ern gab es nicht so viel gute österreichische Popmusik wie heute. Bemerkenswert ist dabei auch, mit welcher Selbstverständlichkeit Deutsch gesungen wird, Englisch ist im Austro-Indiepop aber natürlich noch nicht ausgestorben.

Dass Olympique aus Salzburg kommen, ist ihrem Debüt "Crystal Palace" (Acoda/Sony) nicht anzuhören. Das Trio spielt eingängigen bis glattpolierten Teeniefernsehserienpop zwischen Melancholie, Schwelgerei, Theatralik und Bombast, und mit expressiv vorgetragenen Textzeilen wie "Try to touch the sky / Who knows a butterfly" muss man halt erst einmal fertig werden.

Ein übervolles postadoleszentes Herz hat auch das Wiener Quartett Human Shout. Die glänzende Oberfläche ist dem Debüt "Counting From Ten" (Las Vegas) ebenfalls nicht fremd, nur kommen sie damit um einiges sympathischer rüber. Außerdem brodelt es hier bei aller Professionalität und Gefälligkeit unter der Oberfläche noch ein wenig mehr als bei Olympique.

Bereits das zweite Album gibt es von Contrails um den Multiinstrumentalisten Stefan Sieder. In durchschnittlich viereinhalbminütigen Einheiten bietet "Mania"(Cloud Contact) eine stimmungsvolle Mischung aus Synthie-und Alternativepop, Gefühl und Tänzelei, Schwermut und sonnigen Momenten. Je nach Befindlichkeit "schon schön" oder "bissi fad".

Und gleich noch einmal Ansichtssache: Ob man den Frohnaturen-Zuckerguss-Elektrorock des Duos Le Toy lustig oder nervig findet, dürfte ganz vom Rahmen abhängen, in dem man "Humanize" (Earcandy) hört. Alleine zu Hause? Schwierig.

Eher dem Existenzialismus zugeneigt ist die junge Wiener Band Vague, die mit dem Kurzformat "Tempdays" (Siluh) ein echtes Versprechen abgibt: nebelverhangener Schrammelrock mit Postpunk-Anklängen, der das Wechselspiel von lässiger Beiläufigkeit und Aufgeregtheit bereits gut auszubalancieren weiß.


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