Treue und Dissidenz

Mit dem Politologen Norbert Leser verstarb ein intimer Kenner der Sozialdemokratie - und einer ihrer erbittertsten Kritiker

Politik | NACHRUF: BARBARA TÓTH | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche", dieses Bonmot des deutschen Humoristen F. W. Bernstein trifft auf Norbert Leser absolut zu. Der Politologe und Sozialphilosoph, der sich zeit seines Wissenschaftlerlebens an der österreichischen Sozialdemokratie abarbeitete, entstammte selber "sozialdemokratischem Uradel". Sein Onkel Ludwig Leser war der erste SPÖ-Landeshauptmann Burgenlands in der Zweiten Republik.

Die Verführungen der Macht und die Deformation, die die Politik ihren Protagonisten zufügen kann, kannte Leser also von Anfang an, und ihnen widmete er auch sein Lebenswerk.

"Zwischen Reformismus und Bolschewismus" lautet der Titel seiner Habilitationsschrift über Austromarxismus und Sozialdemokratie, ab 1971 lehrte er als erster Ordinarius für Politikwissenschaft an der Universität Salzburg. Mit den Großen der Roten wie dem seinerzeitigen Bundeskanzler Bruno Kreisky, seinem Finanzminister und Doch-nicht-Nachfolger Hannes Androsch und SPÖ-Zentralsekretär


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