Groß geworden mit Charlie

Frech, derb, schmutzig, provokant, respektlos, gnadenlos: Das Magazin Charlie Hebdo steht für den gezeichneten Satirejournalismus, der in Frankreich große Tradition hat

Medien | PORTRÄT: MICHAEL NEUBAUER | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015


Foto: FALTER

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Attentäter in den Pariser Straßen, nachdem sie in der Redaktion acht Journalisten kaltblütig hingerichtet hatten. Sie irrten sich. Schon einen Tag darauf kündigte Patrick Pelloux in einem Nachrichtensender an, dass Charlie Hebdo weiter erscheinen werde – bereits in dieser Woche. Pelloux ist Arzt und auch Kolumnist bei Charlie Hebdo. Er kam nur wenige Minuten nach dem Anschlag am Tatort an. Er versuchte, seinen blutenden Freunden zu helfen, aber viele waren schon tot. In einem bewegenden Auftritt, mit Tränen in den Augen, um Fassung ringend, sagte er mit Blick auf die Angreifer: „Die Zeitung wird weiter erscheinen, sie haben nicht gewonnen.“

Große Medien unterstützen jetzt das Satireblatt. Die Zeitung Le Monde, staatliche Sender und der Privatsender Canal+ helfen aus mit Personal und Material, in den Räumen der Zeitung Libération können die Charlie Hebdo-Redakteure arbeiten. Sie werden überflutet mit Abobestellungen, bekommen einen Millionenzuschuss vom Kultusministerium. Man dürfe ein Presseerzeugnis mit einer Geschichte von einem halben Jahrhundert nicht ausradieren lassen, vor allem eine Institution, die keiner anderen in Frankreich gleicht, heißt es unisono. Die Auflage der Nummer 1 nach dem Anschlag wird eine Million Exemplare betragen.


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