Das Runde im Eckigen

Sohyi Kims Naschmarktlokal hat eine neue Bestimmung: Knödelkuchl

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Um das Lokal rankten sich immer auch ein paar Rätsel. Bis vor zweieinhalb Jahren verkaufte Elisabeth Jarosch hier im vorderen, „noblen“ Teil des Naschmarkts noch Obst und Gemüse, sehr gutes Obst, sehr schönes Gemüse, gab dann aber auf und verkaufte. Um die Nachfolge gab’s damals wilde Gerüchte, dennoch war es doch recht verwunderlich, als man da plötzlich einen funkelnagelneuen Pavillon sah, der sich nur mit Mühe ins sonst so streng denkmalgeschützte Ensemble fügte – betrieben von Asia-Kreativ-Starköchin Sohyi Kim. Und zwar mit einem „Studio“, in dem Kinderkochkurse stattfinden sollten. Okay, warum nicht.

Der Hintergrund: Seit 2006 herrscht am Naschmarkt eigentlich ein Gastronomie-Aufnahmestopp, der Flächenanteil von 33 Prozent wurde eingefroren, neue Lokale durften nur mehr an Stelle bereits bestehender aufsperren, nicht aber in ehemaligen Verkaufsständen.

Gekocht wurde anfangs nur freitags und samstags, bald dann jeden Tag – ob jemals tatsächlich ein Kinderkochkurs stattgefunden hat, ist ungewiss. Und wie auch immer das gelingen konnte, was Kim da aus der Miniküche schickte, war großartig, wohl das beste Essen am Markt. Vergangenes Jahr zog sich die Starköchin dennoch vom Naschmarkt zurück. Das Nachfolgeprojekt startete im Dezember: Judith’s Knödelkuchl, an der Glasfassade des Standes als „house of dumplings“ angekündigt. An der Architektur des eigentlichen Kinderkochstudios änderte sich wenig, ein paar Pulttische stehen ein wenig unmotiviert herum, aus den Lautsprechern dröhnt deutscher Schlager.

Okay, jetzt kann man natürlich jedem Konzept etwas Positives abgewinnen, wenn man will, hier zum Beispiel den Umstand, dass sich die Betreiber, Judith und Andreas Bachofen-Echt, knapp 30 verschiedene Knödel ausgedacht haben. Ob das originell genug ist, um am Naschmarkt zu bestehen? Schwer zu sagen, die ähnlich konzipierte Palatschinkenkuchl ein paar Standeln weiter gibt es auch schon recht lange.

Die hausgemachte Rindssuppe mit drei verschiedenen Knödeln machte jedenfalls nur bedingt Freude, der kleine Tirolerknödel teigiger Beton, der Leberknödel Leberbeton, der Kaspressknödel käsefreier, fader Bratteig. Die Suppe als solche war ganz okay
(€ 4,80). Putenrauchknödel klang zu absurd, um ihn nicht zu probieren, bestand aus Erdäpfelteig, der im Mund immer mehr wurde, und einer Fülle, die in erster Linie rosa war (€ 3,–). Beim Herrenknödel lief’s besser, da war der Teig flaumiger und die Grammel-Bratenfülle schmeckte zumindest nach Knoblauch (€ 3,50). Und ob es Knödeln generell gut tut, wenn sie im Konvektomaten warm gehalten werden, ist halt die Frage.

Die Sarkasten sagen ja, dass es ganz egal ist, was man am Naschmarkt anbiete, die Leute essen’s sowieso. Bei Judith’s Knödelkuchl könnte ich mir vorstellen, dass diese These doch recht bald widerlegt wird.

Resümee:

Im jüngsten Naschmarktlokal werden jetzt statt pikanten Asia-Salaten Erdäpfelknödel gemacht. Ein geschäftlich mutiges Unterfangen.

Judith’s Knödelkuchl
6., Naschmarkt 21
Tel. 01/319 34 02
Mo–Sa 11–19 Uhr


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