Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Auf ein Neues

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

Oh weh: So stirbt eine Partei. Das konnte sich nur um, richtig, die Volkspartei handeln. Sie traf sich traditionsgemäß auch 1995 am Dreikönigstag und hielt Einkehr. Was sie in sich fand, verhieß nichts Gutes. Denn ihr Obmann Erhard Busek suchte die Rettung in der Neuformulierung eines Parteiprogramms, das in Richtung Modernisierung und Liberalisierung weisen sollte. Als Denker waren Boris Marte und Walter Marschitz am Werk, aber sie erhielten Konkurrenz von einer rechten Rebellengruppe. Zudem entschärfte der Parteivorstand gleich zu Anfang Formulierung um Formulierung, wie Klaus Zellhofer und Bernhard Odehnal berichteten. Der Passus "die Ehe und die Lebensgemeinschaft" wurde kurzerhand in "Die Ehe als Lebensgemeinschaft" verbessert. Das Erscheinungsbild der ÖVP, analysierte der Politologe Fritz Plasser, entspreche "der Logik neurotischer, zur Selbstzerstörung neigender Organisationen".

Ganz anders hielt es da der Falter. Er verkaufte einen Kalender mit Zeichnungen von Tex Rubinowitz mit dem Slogan "1995 - das Jahr, in dem sich dein Leben sicher nicht verändern wird".

Dass sich das Leben von Doris Knecht veränderte, darf bezweifelt werden. Sie wurde jedoch mit dieser Ausgabe zur stellvertretenden Chefredakteurin ernannt. "Knecht (28) stammt aus Rankweil im schönen Vorarlberg, kam nach dem Abbruch diverser Studien, nach Jobs in Architekturbüros und Medien, nach organisatorischen Unternehmungen in der freien Radio-und untergründigen Musikszene (samt umjubelten Auftritten als Popsängerin) 1989 zu unserem Blatt", meldete die Rubrik "Liebe Leserin, lieber Leser".

Noch was? Ja, noch was. Der Chefredakteur brachte statt eines Kommentars eine satirische Neujahrsansprache des Bundespräsidenten. Anlass: Österreichs Beitritt zur EU. "Selbstbewusst sind wir in den Kreis der EU eingetreten, meine Damen und Herren, Sie haben dies bereits bemerkt, als gestern kurz vor dem Läuten der Pummerin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ORF noch rasch ein Werbespot der Firma Mediamarkt eingespielt wurde."


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