Kunst Kritik

Antik goes contemporary: im bunten Neonschein

Lexikon | NS | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

Zeitgenössische Künstler reagieren auf historische Sammlungen: Derlei Ausstellungen, die man sonst vor allem aus dem musealen Bereich kennt, werden nun auch von der privaten Initiative Hofstätter Projekte vorangetrieben. Der wunderschön gestaltete neue Kunstraum in der Dorotheergasse wurde von Anton Hofstätter, dem Sohn eines alteingesessenen Wiener Antiquitätenhändlers, eröffnet. Die Vorgabe: Die eingeladenen Künstlerinnnen und Künstler sollen sich - im weitesten Sinn -mit den Kunstwerken und Objekten aus sechs Jahrhunderten beschäftigen, die bei Hofstätters in Geschäft, Lager und privat herumstehen. Das zunächst für eineinhalb Jahre erstellte Programm hat Edelbert Köb kuratiert. Der ehemalige Mumok-Direktor hat zur Einweihung mit Maurizio Nannucci einen alten Hasen eingeladen, der die Räume mit einem Faible für Wien 1900 voll zur Geltung bringt.

Der 1939 geborene Italiener hat schon für den Deutschen Bundestag und das Alte Museum in Berlin große Neoninstallationen entworfen. Auch bei Hofstätter Projekte leuchten nun die Röhren und geben mit bedeutungsvollen Sätzen zu Denken auf. Gleich zu Beginn der Schau "Similarities &Differences" kontrastieren der Konzeptkünstler historische Kristalllüster mit einem roten und einem weißen senkrecht von Decke zu Boden verlaufenden Schriftzug. Den Blickfang bildet aber ein Sesselkreis mit Möbeln aus dem Fin de Siècle. Die geometrischen Formen der Möbel wirken schon an sich, aber der Konzeptkünstler möchte auch auf Sprachprobleme anspielen, die Wittgenstein am Beispiel des Stuhls aufgeworfen hat. "No Single Object Is Innocent", heißt es dazu treffend im rot erleuchteten Stiegengang, der hinunter zu weiteren Neon-und Möbelinstallationen. In der Anordnung greift Nannucci die Grundformen der Schrift Linie, Kreis, Drei- und Rechteck auf - ein starkes Debüt.

Hofstätter Projekte, bis 28.2.


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