Der Kampf geht weiter!

Mit "Liberation Continued" führt der Künstler Josef Schützenhöfer sein Langzeit-Aufklärungsprojekt weiter

Lexikon | TIZ SCHAFFER | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

Was der steirische Maler Josef Schützenhöfer macht, stößt nicht immer auf Gegenliebe. Die Grazer Puch-Werke wie auch Magna erteilten ihm einst Hausverbot. Erstere Firma, nachdem er mit Portraits den dortigen Arbeitern seine Reverenz erwiesen hatte. Die zweite, weil er Frank Stronach in einer satirischen Malerei verewigte.

1997 ist Schützenhöfer, der lange in den USA lebte, ins oststeirische Pöllau gezogen. Die dortige und einseitige Gedenkkultur an den Zweiten Weltkrieg stieß ihm bald sauer auf. Und er begann sich dem Gedenken an die alliierten Befreier zu widmen - in der Gegend wurde 1944 ein US-Bomber abgeschossen und elf Besatzungsmitglieder getötet. Seine Ambitionen hatten jahrelange Auseinandersetzungen mit der Kommunalpolitik zur Folge. Trotzdem konnte Schützenhöfer 2011 mit Mitstreitern - dem Literaturwissenschaftler Klaus Zeyringer, der Steirischen Kulturinitiative und Künstlern aus den Staaten - die Skulptur "Liberation Marker 45" im Schlosspark von Pöllau umsetzen. Kurze Zeit später wurde sie von einem Vandalenakt in Mitleidenschaft gezogen.

Dem Liberation-Projekt blieb Schützenhöfer natürlich treu, er ist ein zäher Bursche. 2012 erschien die Publikation "Liberation in Progress", im GrazMuseum fand die gleichnamige Multimedia-Ausstellung statt. Zahlreichen Künstler wie Anderwald/Grond oder Timm Ulrichs widmete sich vor allem ausgeblendeten Vorfällen in den letzten Kriegsmonaten.

Die Thematik ist bei der nun zu sehenden Folgeausstellung "Liberation Continued" dieselbe -abermals setzt sie sich mit dem auseinander, was zwischen "Anschluss" und "Befreiung" gerne verdrängt und verschwiegen wird. Mit dem Unterschied allerdings, dass dieses Mal russische Künstlerinnen und Künstler geladen sind. So haben nicht nur etwa Peter Gerwin Hoffmann, Joachim Baur oder Schützenhöfer selber Beiträge zur Ausstellung angefertigt, es sind auch Arbeiten von Ludmilla Konstantinova, Sergey Kishchenko oder Georgy Litichevsky zu sehen. GrazMuseum, Do (15.1.), 18.00 (Eröffnung)


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